- Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im Jänner auf 47,2 Punkte, den tiefsten Wert seit einem halben Jahr
- Der starke Rückgang des Neugeschäfts führte erstmals seit drei Monaten zu einer Verringerung der Produktionsleistung
- Der Beschäftigtenabbau beschleunigte sich im Jänner wieder
- Absatzprobleme ließen die Bestände in den Fertigwarenlagern erneut stark steigen
- Der verstärkte Kostenauftrieb verursachte einen beschleunigten Anstieg der Einkaufspreise, während der harte Wettbewerb in einem schwachen Nachfrageumfeld zu einem Rückgang der Verkaufspreise führte
- Trotz unmittelbar ungünstiger Aussichten blieb zu Jahresbeginn der Optimismus in der heimischen Industrie überdurchschnittlich hoch
Die österreichische Industrie startete schwach ins neue Jahr. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im Jänner auf 47,2 Punkte. Der Indikator rutschte damit noch tiefer unter die Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Dies war der niedrigste Wert seit Juni vorigen Jahres, trotzdem bleiben die Industriebetriebe in Österreich aufgrund der positiven Erwartungen optimistisch“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
„Aufgrund des stark gesunkenen Neugeschäfts wurde in Österreich im Jänner die Produktion erstmals seit drei Monaten wieder stark zurückgefahren und der Personalabbau spürbar beschleunigt. Ein deutlich geringerer Materialeinkauf setzte den Abbau der Vormateriallager weiter fort. Dem standen steigende Bestände in den Fertigwarenlagern aufgrund der schwachen Nachfrage gegenüber, was einer Weitergabe der im Vergleich zum Vormonat noch stärker gestiegenen Kosten auf die Abgabepreise entgegenstand“, sagt Bruckbauer.
Starker Nachfrageeinbruch, im Inland etwas mehr als im Exportgeschäft
Nach drei Monaten in Folge mit einer moderaten Ausweitung haben die heimischen Betriebe im Jänner ihre Produktionskapazitäten spürbar zurückgefahren. Der Produktionsindex sank auf 47,1 Punkte, den niedrigsten Wert seit genau einem Jahr. „Fehlende Neuaufträge sowie die stark gesunkenen Auftragsrückstände hatten im Jänner eine deutliche Verringerung der Produktion in Österreichs Industrie zur Folge. Das Neugeschäft ließ aus dem In- und Ausland deutlich nach, da viele Kunden unter den von hoher Kostendynamik und protektionistischer US-Handelspolitik gekennzeichneten Rahmbedingungen ihre Lagerbestände abbauten“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Trotz einer erneuten leichten Beschleunigung des Nachfragerückgangs im Exportgeschäft übertraf der Index für die Exportaufträge mit 46,0 Punkten den Index für die gesamten Auftragseingänge von 45,6 Punkten, der durch die anhaltende Auftragsschwäche in der heimischen Bauwirtschaft gedämpft wurde.
Personalabbau verstärkte sich wieder
Die vorsichtigen Signale einer Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt in der heimischen Industrie gegen Ende 2025 haben sich zu Jahresbeginn 2026 nicht fortgesetzt. Die heimischen Betriebe des verarbeitenden Gewerbes haben den Personalabbau im Jänner wieder beschleunigt. Der Beschäftigtenindex sank auf 45,1 Punkte. Damit weist der Beschäftigtenindex mittlerweile seit Mai 2023 ununterbrochen auf Jobverluste in der heimischen Industrie hin. In der laufenden Phase der Personalreduktion hat die Anzahl der Beschäftigten in der Sachgütererzeugung um mittlerweile fast 27.000 oder rund 4 Prozent auf 620.000 abgenommen.
„Trotz des aktuellen Rückschlags sollte im Verlauf des laufenden Jahres der Beschäftigungsabbau in der österreichischen Industrie langsam auslaufen. Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025, gehen wir von einer Stabilisierung auf diesem Wert im Jahr 2026 aus. Wenn damit auch der Abstand geringer wird, die Arbeitsmarktlage im Sektor wird weiterhin deutlich günstiger sein als in der Gesamtwirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von voraussichtlich 7,3 Prozent“, meint Pudschedl.
Weiterer Kostenauftrieb, aber sinkende Verkaufspreise
Im Jänner kam es zu einer weiteren Verteuerung von Vormaterialien. Der Kostenauftrieb beschleunigte sich gegenüber dem Vormonat sogar, wie der Anstieg des Index für die Einkaufspreise auf 54,0 Punkte zeigt. Die Verkaufspreise nahmen hingegen den neunten Monat in Folge ab. Der entsprechende Index sank auf 48,6 Punkte, minimal niedriger als im Vormonat. Aufgrund des starken Wettbewerbs und der zurückhaltenden Nachfrage waren die Betriebe zu Preisnachlässen gezwungen.
„Stark steigende Einkaufspreise, vor allem für Energie und Metalle, und gleichzeitig geringere Verkaufspreise aufgrund der schwachen Nachfrage führten im Jänner einmal mehr zu einer Verschlechterung der Gewinnmargen der heimischen Industriebetriebe,“ so Pudschedl.
Verkaufslager füllen sich
Infolge der anhaltend schwachen Nachfrage rückte in den heimischen Betrieben ein vorsichtiges und kostenbewusstes Lagermanagement noch stärker in den Fokus. Eine deutliche Reduktion der Einkaufsmenge verlängerte die Zeitspanne des Abbaus von Lagerbeständen an Vormaterialien und Rohstoffen auf 34 Monate in Folge. Allerdings erfolgte der Lagerabbau aufgrund der sinkenden Produktionserfordernisse langsamer als die Reduktion der Einkaufsmenge, was auf eine zu positive Sicht der Einkäufer der heimischen Betriebe auf die aktuelle Konjunkturlage hindeutet. Dies unterstreicht auch die Zunahme der Bestände in den Verkaufslagern. Zusätzlich zur Abschwächung des Neugeschäfts haben einige Kunden Aufträge storniert bzw. die bestellte Ware nicht abgerufen und so den bereits vierten Monat in Folge zu einem Anstieg der Fertigwarenlager beigetragen.
Delle zu Jahresbeginn, aber Industriebetriebe bleiben optimistisch
Der starke Einbruch der Nachfrage in der österreichischen Industrie, der zu einer deutlichen Produktionskürzung führte, ließ den UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex auf 47,2 Punkte fallen. Dagegen verbesserte sich im Euroraum der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie im Jänner auf 49,4 Punkte. Der Anstieg der Indizes in den Hauptmärkten Deutschland und Frankreich auf 51,0 bzw. 48,6 Punkte trug dazu wesentlich bei. In beiden Märkten wurde damit das österreichische Umfrageergebnis übertroffen.
Nach der leichten Verbesserung der Industriekonjunktur vor dem Jahreswechsel erlitt die österreichische Industrie zu Beginn des Jahres einen Rückschlag. Neben der aktuellen Konjunkturlage haben sich auch die unmittelbaren Aussichten eingetrübt. Der starke Rückgang des Neugeschäfts bei gleichzeitigem Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern verdeutlicht, dass unmittelbar keine Produktionsausweitung notwendig sein dürfte, um die Nachfrage zu decken. Das Indexverhältnis Neugeschäft zu Fertigwarenlager war im Jänner sogar so ungünstig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.
„Die günstigeren Vorgaben aus Europa lassen hoffen, dass es sich bei der aktuellen Eintrübung der Industriekonjunktur nur um eine Delle handelt, die in den kommenden Monaten überwunden werden kann. Ungeachtet der großen Herausforderungen durch die kostenbedingten Wettbewerbseinbußen, struktureller Veränderungen sowie der neuen Parameter im Außenhandel zeigten sich die heimischen Betriebe zu Jahresbeginn weiter optimistisch. Trotz eines Rückgangs des Index für die Produktionserwartungen auf Jahressicht auf 58,9 Punkte wurde der langjährige Durchschnitt weiter deutlich übertroffen“, meint Bruckbauer abschließend.