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EU-Indien-Abkommen: Eröffnet neue Chancen für Österreichs Industrie

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UniCredit Bank Austria Analyse

Fahnen von Indien und Europa überlappend
(c) Adobe Stock/KI
  • Indien ist ein großer Wachstumsmarkt mit 1,4 Milliarden Menschen
  • Österreich exportierte 2024 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Indien, das Importvolumen lag bei 1,5 Milliarden Euro
  • Durch Wegfall der Zölle besonders starke Entlastung bei Exporten von KFZ und Maschinen erwartet
  • Von einem Abkommen würden die Industriehochburgen Oberösterreich und die Steiermark überdurchschnittlich profitieren
  • Das Abkommen könnte in den nächsten Jahren zu einer zusätzlichen Wertschöpfung in der Industrie von jährlich 650 Millionen Euro und zu 5.000 neuen Industriearbeitsplätzen führen

 

Die Europäische Union und Indien haben sich am 27. Jänner 2026 auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Mit dem geplanten Vertrag soll ein Großteil der bestehenden Zölle und handelspolitischen Hürden abgebaut werden. Indien ist einer der dynamischsten Wachstumsmärkte weltweit.

 

„Das EU‑Indien‑Abkommen eröffnet der österreichischen Industrie zusätzliche Exportmöglichkeiten und stärkt ihre Position in globalen Wertschöpfungsketten“, sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria.

 

Derzeit noch relativ kleiner Exportmarkt für Österreich, Zollabbau als Wachstumsimpuls

 

Österreich exportierte 2024 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Indien, das sind 0,7 Prozent der gesamten Ausfuhren. Maschinen, Elektronik und synthetische Fasern zählen zu den wichtigsten Exportgütern. Oberösterreich war mit 445 Millionen Euro das exportstärkste Bundesland, gefolgt von der Steiermark (231 Millionen Euro) und Vorarlberg (149 Millionen Euro).

 

Durchschnittliche Zölle von über 12 Prozent (gewichtet mit dem Exportvolumen) auf österreichische Exporte belasten derzeit insbesondere die KFZ‑Industrie, die Getränkeindustrie sowie Teile des Maschinenbaus. Mit einem Abkommen sollen über 90 Prozent dieser Zölle wegfallen. Insgesamt betrug 2024 die Belastung der österreichischen Exporte nach Indien durch Zölle ca. 160 Millionen Euro.

 

„Indien erhebt im internationalen Vergleich hohe Einfuhrzölle. Der Wegfall dieser Belastungen wäre für viele heimische Industriebetriebe ein klarer Impuls, insbesondere in den technologieintensiven Branchen“, so Robert Schwarz, Ökonom der UniCredit Bank Austria.

 

Industrieregionen als Gewinner

 

Auf Basis der OECD‑TiVA‑Daten („Trade in Value Added“) ergibt sich für 2024 eine durch die indische Endnachfrage ausgelöste inländische industrielle Wertschöpfung von rund 650 Millionen Euro. Das sind weniger als 1 Prozent der gesamten Industriewertschöpfung Österreichs. Die industrieintensiven Bundesländer Oberösterreich und Steiermark erzielen die stärksten positiven Effekte aus dem Handel mit Indien. Oberösterreich generierte 2024 rund 220 Millionen Euro an Industriewertschöpfung. Die Steiermark erreichte 120 Millionen Euro.

 

Diese Regionen profitieren auch am stärksten von einem Handelsabkommen, da ihre Industriestrukturen – insbesondere im Bereich der KFZ‑Industrie und Maschinen – überproportional von den zu erwartenden Zollsenkungen begünstigt werden. Relativ zur gesamten Wirtschaftsleistung ist der Anstieg in Vorarlberg auf 150 Millionen Euro am größten.

 

Unter der Annahme einer Verdoppelung der österreichischen Warenausfuhren nach Indien – ein Szenario, das aufgrund sektoraler Stärkefelder realistisch erscheint – könnte die Industriewertschöpfung deutlich zulegen:

Oberösterreich mit einem Anstieg auf 450 Millionen Euro und die Steiermark auf 250 Million Euro. Diese Berechnungen berücksichtigen bereits internationale Wertschöpfungsketten, etwa steigende Nachfrage aus Deutschland nach österreichischen Vorleistungsgütern.

 

Deutliche positive Beschäftigungseffekte

 

Auch für den österreichischen Arbeitsmarkt ergeben sich klare Vorteile. Derzeit hängen rund 5.000 Industriearbeitsplätze in Österreich direkt von der indischen Nachfrage ab. Bei einer Verdoppelung der Exporte dürfte sich auch dieser Effekt nahezu verdoppeln. „In Oberösterreich rechnen wir mit einem Anstieg der Industriearbeitsplätze aufgrund höherer Nachfrage aus Indien um 1.800 Arbeitsplätze und in der Steiermark um 1.000“, rechnet Schwarz vor. Rund 500 Arbeitsplätze dürften in Vorarlberg, Niederösterreich und Tirol neu entstehen.

 

„Das Abkommen ist eine strategische Ergänzung zur bestehenden europäischen Handelspolitik und stärkt die Position der heimischen Industrie in einem der am schnellst wachsenden Märkte der Welt“, betont Bruckbauer abschließend.

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