- Auf Wachstumskurs: Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im September auf 54,9 Punkte
- Kräftige Nachfrage aus dem In- und Ausland sorgt für weiteres Produktionswachstum
- Die Beschäftigung stieg im September zum zweiten Mal in Folge leicht an
- Lieferkettenprobleme und höhere Energiepreise erhöhen den Kostendruck
- Die heimischen Betriebe bauen ihre Lagerbestände zur Absicherung gegen Versorgungsrisiken weiter aus
- Der Optimismus hält an: Der Erwartungsindex lag mit 59,4 Punkten deutlich über dem langfristigen Durchschnitt und spricht für eine Fortsetzung des Industrieaufschwungs
Die Erholung der österreichischen Industrie hat zu Beginn des Herbstes an Breite gewonnen. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im September auf 54,9 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchststand seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Frühjahr 2022“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Getragen wurde die positive Entwicklung vor allem von einer kräftigen Zunahme der Neuaufträge im In- und Ausland, die zu einer weiteren Ausweitung der Produktion und zum zweiten Beschäftigungsanstieg in Folge führte. Gleichzeitig nahmen die Auftragsbestände deutlich zu, was auf eine hohe Auslastung der Produktionskapazitäten und eine Fortsetzung des Wachstumskurses in den kommenden Monaten hindeutet. Der Aufschwung wird jedoch von Lieferkettenproblemen und dem durch die Ereignisse im Nahen Osten wieder gestiegenen Kostendruck überschattet.“
Neugeschäft aus In- und Ausland nimmt zu
Die österreichische Industrie profitierte im September von einer kräftigen Nachfrage aus dem In- und Ausland. Der Index für die Neuaufträge stieg auf 55,3 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit fünf Jahren. Auch die Exportaufträge entwickelten sich mit 53,6 Punkten positiv und signalisierten eine anhaltende Belebung des internationalen Geschäfts. Die breite Verbesserung der Auftragslage führte zu einem deutlichen Anstieg der Auftragsbestände, deren Index auf 55,2 Punkte kletterte und damit auf eine höhere Auslastung der Produktionskapazitäten hindeutete. Mit dem starken Auftragseingang im Rücken weiteten die heimischen Industriebetriebe ihre Produktion den fünften Monat in Folge aus. Der Produktionsindex erreichte im September 55,3 Punkte.
„Die österreichische Industrie startet mit einer deutlich verbesserten Auftragslage in das Schlussquartal des Jahres. Ein Teil der starken Nachfrage dürfte allerdings auch auf vorsorgliche Bestellungen zurückzuführen sein. Angesichts verlängerter Lieferzeiten und geopolitischer Unsicherheiten erhöhen viele Unternehmen ihre Bestellungen und Lagerbestände, um ihre Produktion gegen mögliche Versorgungsengpässe abzusichern. Die robuste Auftragsentwicklung spiegelt daher sowohl die konjunkturelle Erholung als auch einen verstärkten Aufbau von Sicherheitsbeständen wider“, erläutert UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Der Lieferzeitenindex lag mit 40,2 Punkten weiterhin deutlich unter der Neutralitätsmarke. Dies weist auf anhaltende Störungen in den Lieferketten hin, die sowohl auf geopolitische Unsicherheiten als auch auf Kapazitätsengpässe infolge der gestiegenen Nachfrage zurückzuführen sind.
Beschäftigung steigt erneut
Mit der anhaltenden Erholung der Industrie setzte sich auch die Verbesserung am Arbeitsmarkt fort. Der Beschäftigungsindex lag im September mit 51,1 Punkten erneut über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und signalisierte damit den zweiten Beschäftigungsanstieg in Folge. Steigende Neuaufträge, höhere Produktionsvolumina und wachsende Auftragsbestände haben die Auslastung der Industriebetriebe erhöht und den Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften gestärkt.
„Der erneute Beschäftigungsanstieg ist ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen die aktuelle Konjunkturerholung zunehmend als nachhaltig einschätzen. Die Kombination aus steigender Nachfrage, besser gefüllten Auftragsbüchern und höherer Produktionsleistung spricht für eine weitere Stabilisierung des Arbeitsmarktes in der Industrie. Angesichts des weiterhin hohen Kosten- und Wettbewerbsdrucks dürfte der Personalaufbau jedoch vorerst moderat bleiben“, so Pudschedl.
Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für 2026 eine durchschnittliche Arbeitslosenquote in der Sachgütererzeugung von 4,4 Prozent nach jeweils 4,3 Prozent in den beiden Vorjahren.
Aufbau von Sicherheitsbeständen zur Absicherung gegen Lieferkettenrisiken
Die Industriebetriebe erhöhten ihre Einkaufsaktivitäten im September weiter. Der Index für die Einkaufsmenge stieg auf 53,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Sommer 2022. Parallel dazu wurden die Lagerbestände an Vormaterialien deutlich aufgestockt und der entsprechende Index erhöhte sich auf 53,4 Punkte. Auch die Fertigwarenlager nahmen mit 50,4 Punkten erstmals seit vier Monaten wieder leicht zu.
„Die Kombination aus steigenden Einkaufsaktivitäten und zunehmenden Lagerbeständen zeigt, dass sich die Unternehmen sowohl auf eine anhaltend hohe Nachfrage als auch auf mögliche Störungen in den Lieferketten vorbereiten. Der Aufbau von Sicherheitsbeständen dient dabei nicht nur der Produktionsabsicherung, sondern schützt die Unternehmen auch vor möglichen Preissteigerungen und Versorgungsengpässen“, erklärt Pudschedl.
Höhere Energiepreise verschärfen den Margendruck
Der Preisauftrieb in der österreichischen Industrie beschleunigte sich im September erneut. Der Index für die Einkaufspreise stieg von 68,8 auf 72,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr. Besonders höhere Energie- und Treibstoffpreise sorgten für einen verstärkten Kostenanstieg. Zusätzlich wirkten Lieferengpässe, die gestiegene Nachfrage sowie der vorsorgliche Lageraufbau preistreibend.
Die Unternehmen konnten die höheren Kosten zwar teilweise an ihre Kunden weitergeben. Mit 57,9 Punkten lag der Verkaufspreisindex weiterhin klar im Bereich steigender Absatzpreise. Der Anstieg der Verkaufspreise fiel jedoch deutlich geringer aus als jener der Einkaufspreise.
„Die Industriebetriebe verfügen dank der verbesserten Auftragslage zwar über größere Spielräume bei der Preisgestaltung. Dennoch steigen die Kosten für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie derzeit deutlich schneller als die erzielbaren Verkaufspreise. Die Preisschere hat sich zuletzt wieder geöffnet und belastet die Gewinnmargen vieler Unternehmen“, so Pudschedl.
Industrie weiter zuversichtlich
Die österreichische Industrie geht mit einer guten Ausgangslage in das Schlussquartal des Jahres. Die Auftragslage verbessert sich, die Produktion wächst, die Beschäftigung steigt und die Unternehmen zeigen sich zunehmend zuversichtlich. Gleichzeitig bleiben hohe Kosten, geopolitische Risiken und Lieferkettenprobleme wichtige Unsicherheitsfaktoren. Die Produktionseinschätzung der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate fiel dennoch sehr positiv aus. Der Index für die Geschäftserwartungen lag im September bei 59,4 Punkten und damit deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt.
„Trotz der bestehenden Risiken bleibt der Optimismus der Unternehmen hoch. Die Industriekonjunktur in Europa und insbesondere in Deutschland zeigt sich zunehmend freundlicher und unterstützt die Nachfrage nach österreichischen Industriegütern. Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Industrieaufschwungs sind grundsätzlich gegeben. Wir erwarten weiterhin einen Anstieg der realen Industrieproduktion in Österreich um 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026“, so Bruckbauer abschließend.