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Konjunkturerholung setzt sich fort, geopolitische Risiken bremsen die Dynamik

UniCredit Bank Austria Branchenüberblick

Herstellende Firmen als Zahnrad
(c) AdobeStock
  • Die österreichische Wirtschaft blieb 2026 trotz höherer Energiepreise und geopolitischer Belastungen auf moderatem Wachstumskurs
  • Die Industrie entwickelt sich zunehmend zur Konjunkturstütze und dürfte 2026 um rund ein Prozent real zulegen können
  • Die Bauwirtschaft zeigt erste Stabilisierungstendenzen, bleibt jedoch weiterhin in einer schwierigen Marktphase
  • Der Dienstleistungssektor wächst weiter, wird jedoch durch hohe Inflation, hohe Sparneigung und geopolitische Unsicherheiten gebremst 

 

Trotz der Belastungen durch die gestiegenen Energiepreise und der dadurch erhöhten Inflation hat sich die moderate Erholung der österreichischen Wirtschaft im bisherigen Jahresverlauf 2026 fortgesetzt. Im ersten Halbjahr stieg die Wirtschaftsleistung real um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im zweiten Quartal verlor die Konjunktur zwar an Dynamik, insgesamt zeigte sich die österreichische Wirtschaft jedoch robust.

 

Getragen wurde das Wachstum im ersten Halbjahr vor allem von der Industrie, die ihren Erholungskurs fortsetzen konnte. Auch der Dienstleistungssektor blieb auf Wachstumskurs, wenn auch mit geringerer Dynamik als im Gesamtjahr 2025. Die Bauwirtschaft hingegen verzeichnete weiterhin Rückgänge, wenngleich die Intensität des Rückgangs abnahm.

 

„Trotz eines schwierigen internationalen Umfelds zeigt sich die österreichische Wirtschaft im bisherigen Jahresverlauf 2026 widerstandsfähig. Vor allem die Industrie, allen voran die Elektroindustrie, Metallwarenerzeugung und die chemische Industrie, hat sich überraschend gut entwickelt und trägt maßgeblich zur anhaltenden Konjunkturerholung bei. Allerdings sind die geopolitischen Risiken sowie die höheren Energiepreise ein schwerwiegender Belastungsfaktor für die weitere Entwicklung“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

 

Industrie stützt die Erholung

 

Trotz hoher Energiekosten und anhaltender Lieferkettenprobleme legte die reale Industrieproduktion in den ersten acht Monaten 2026 um 0,6 Prozent zu. Unterstützt von einem etwas günstigeren Exportumfeld hat sich die Stimmung im Sektor verbessert. Vor allem die Metallwarenerzeugung, die Elektroindustrie sowie Teile der Konsumgüterindustrie zeigen eine zunehmend positive Entwicklung. Die Auftragslage wird zwar weiterhin als schwach eingeschätzt, die Produktionserwartungen haben sich jedoch spürbar verbessert.

 

„Die österreichische Industrie hat sich 2026 als erstaunlich robust erwiesen. Die Erholung dürfte sich schrittweise auf weitere Branchen ausweiten, wenngleich das Tempo aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten und der weiterhin angespannten Kostenlage begrenzt bleiben dürfte“, meint Pudschedl und ergänzt: „Besonders günstig erscheinen die Perspektiven in der Elektroindustrie. Sowohl die Elektronik- als auch die Elektrotechnikbranche profitieren von strukturellen Wachstumstrends wie Digitalisierung, Automatisierung und Energiewende. Zur Branche mit günstigen Aussichten zählt auch die Metallwarenerzeugung, während sich im Maschinenbau die Anzeichen einer Bodenbildung langsam mehren. Eine nachhaltige Erholung wird jedoch wesentlich von einer stärkeren Investitionsdynamik in den europäischen Absatzmärkten abhängen.“

 

Verhalten bleiben die Aussichten für die Stahlindustrie und die chemische Industrie. Beide Branchen leiden weiterhin unter hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie einer nur langsamen Erholung wichtiger Abnehmerindustrien.

 

Bauwirtschaft vor Trendwende?

 

Die österreichische Bauwirtschaft befindet sich weiterhin in einem schwierigen Umfeld. Nach einem Rückgang der Bruttowertschöpfung im Jahr 2025 verringerte sich diese im ersten Halbjahr 2026 nochmals um 1,1 Prozent. Die Bauproduktion lag von Jänner bis August real um rund 2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Während der Hochbau weiterhin deutliche Rückgänge verzeichnete, zeigte sich der Tiefbau im bisherigen Jahresverlauf 2026 relativ stabil.

 

„Für die Bauwirtschaft mehren sich die Anzeichen einer Stabilisierung. Während der Tiefbau weiterhin von öffentlichen Infrastrukturprojekten profitiert, dürfte sich auch der Hochbau im Laufe des Jahres 2027 schrittweise erholen. Aufgrund der weiterhin hohen Baukosten und der verhaltenen Nachfrage wird der Aufschwung jedoch nur langsam verlaufen. Insgesamt sollte sich die Bauwirtschaft 2027 von einer Phase der Schrumpfung zu einer Phase der Stagnation beziehungsweise eines leichten Wachstums entwickeln“, erwartet Pudschedl.

 

Dienstleistungssektor auf Stabilisierungskurs

 

Die Stabilisierung im Dienstleistungssektor setzt sich fort. Die Konsumzurückhaltung der Haushalte bleibt aufgrund geopolitischer Spannungen und einer erhöhten Sparneigung jedoch ausgeprägt. Gleichzeitig sorgt die erhöhte Inflation für Belastungen bei Nachfrage und Investitionen. Positiv entwickeln sich weiterhin die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie, Immobilienwirtschaft sowie Teile der Finanzwirtschaft. Dagegen stehen zahlreiche wirtschaftsnahe Dienstleistungen weiterhin unter Druck.

 

Die Nachfrageerwartungen haben sich seit dem Sommer verbessert und deuten auf eine leichte Belebung der Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten hin. Die Dynamik dürfte aufgrund der bestehenden Unsicherheiten jedoch begrenzt bleiben.

 

Handel leidet unter Inflation 

 

Der Handel profitierte 2026 bislang von der schrittweisen Stabilisierung der Konjunktur. Die Entwicklung verlief jedoch zwischen den einzelnen Segmenten sehr unterschiedlich. Im Großhandel stiegen die nominellen Umsätze von Jänner bis Juli um 2,8 Prozent, real gingen sie jedoch um 3,5 Prozent zurück. Dies deutet darauf hin, dass der Umsatzanstieg vor allem preisbedingt war, während die tatsächlich gehandelten Mengen weiterhin unter dem Vorjahresniveau lagen.

 

Im Kraftfahrzeughandel setzte sich die Erholung fort. Die Umsätze stiegen nominell um 4,5 Prozent und real um 3,6 Prozent. Die verbesserte Verfügbarkeit von Fahrzeugen sorgten für eine stärkere Nachfrage sowohl bei Neu- als auch Gebrauchtwagen.

 

Der Einzelhandel entwickelte sich verhaltener. Zwar stabilisierte sich die Konsumnachfrage im Jahresverlauf, die hohe Sparneigung der Haushalte und die durch die geopolitischen Spannungen gestiegene Unsicherheit begrenzten jedoch die Dynamik.

 

„Der Handel befindet sich in einer Übergangsphase zwischen Stabilisierung und Erholung. Während der Kfz-Handel von Nachholeffekten profitiert, bleibt die Entwicklung im Groß- und Einzelhandel wegen der weiterhin vorsichtig agierenden Konsumenten und Unternehmen noch verhalten. Mit einer Abschwächung der Inflation sollten sich die Rahmenbedingungen 2027 jedoch verbessern“, so Pudschedl.

 

Aufschwung trotz Gegenwind

 

„Für die kommenden Quartale erwarten wir eine Fortsetzung der moderaten Konjunkturerholung. Die Industrie bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber, während die Bauwirtschaft schrittweise die Talsohle erreichen dürfte. Im Dienstleistungssektor sollte eine allmähliche Verbesserung der Nachfrage für leichte Wachstumsimpulse sorgen“, meint Pudschedl und ergänzt: „Wir gehen für 2026 von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent aus, das sich 2027 auf 1,2 Prozent erhöhen sollte. Die größten Risiken dabei bleiben die geopolitischen Spannungen, die Entwicklung der Energiepreise sowie deren Auswirkungen auf Inflation und Konsumverhalten.“ 

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