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Industrieaufschwung gewinnt weiter an Stärke

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Oktober

Arbeiter mit Schleifmaschine
(c) AdobeStock
  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Oktober auf 55,9 Punkte, den höchsten Wert seit dreieinhalb Jahren
  • Spürbare Produktionsausweitung der heimischen Betriebe dank zunehmender Nachfrage
  • Die Beschäftigung stieg im Oktober den dritten Monat in Folge leicht an
  • Die Einkaufspreise stiegen im Oktober deutlich stärker als die erzielbaren Verkaufspreise
  • Anhaltende Lieferkettenprobleme, längere Lieferzeiten und hoher Kostendruck bleiben eine Herausforderung
  • Die Lagerentwicklung signalisiert zunehmenden Optimismus der Unternehmen
  • Der Anstieg des Erwartungsindex auf 59,9 Punkte und ein freundliches internationales Umfeld sprechen für eine Fortsetzung des Industrieaufschwungs

 

Die Erholung der österreichischen Industrie hat sich zu Beginn des Schlussquartals 2026 weiter gefestigt. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Oktober auf 55,9 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit 53 Monaten“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Der vierte Anstieg des Indikators in Folge war vor allem der weiteren Verbesserung der Auftragslage zu verdanken, die zu einer noch stärkeren Ausweitung der Produktion als im Vormonat führte. Daher erhöhten die Betriebe auch ihren Personalstand. Auch die Lagerbestände wurden an die höhere Nachfrage angepasst. Gleichzeitig haben sich jedoch die Lieferkettenprobleme und der Kostendruck infolge der Spannungen im Nahen Osten weiter erhöht.“

 

Die Auftragsrückstände nahmen im Oktober den dritten Monat in Folge deutlich zu, was auf eine zunehmende Auslastung der Produktionskapazitäten und eine Fortsetzung des Wachstumskurses in den kommenden Monaten hindeutet, zumal die Erholung der österreichischen Industrie von einem freundlichen internationalen Umfeld unterstützt wird. In den USA ist der Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie auf 56,0 Punkte gestiegen. Im Euroraum hat sich der vorläufige Indikator zwar geringfügig auf 52,4 Punkte abgeschwächt, doch in Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner der heimischen Industrie, sorgte eine starke Exportnachfrage und verstärkte Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur für einen Auftrieb des Einkaufsmanagerindex auf 54,2 Punkte.

 

Deutliche Produktionsausweitung

 

Die Entwicklung in der österreichischen Industrie war im Oktober erneut von einem spürbaren Anstieg der Produktion gekennzeichnet, dem stärksten seit Beginn des Kriegs in der Ukraine Anfang 2022. In den vergangenen drei Monaten zeigte sich ein stabil hohes Tempo der Produktionsausweitung, das sich im Oktober sogar noch etwas erhöht hat. Der Produktionsindex stieg auf 56,4 Punkte.

 

„Die erneut starke Zunahme der Produktion im Oktober war eine Folge der deutlichen Auftragszuwächse der heimischen Industrie. Das Neugeschäft aus dem Ausland und sogar noch etwas stärker die Aufträge aus dem Inland nahmen zu. In beiden Fällen zeigte sich eine Beschleunigung des Aufwärtstrends im Vergleich zu den Vormonaten“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

 

Im Einklang mit dem steigenden Neugeschäft haben die Auftragsbestände der österreichischen Hersteller im Oktober mit höherem Tempo als im September zugenommen. In Fortsetzung des seit Mitte 2025 und verstärkt seit Beginn des Irankriegs andauernden Trends haben sich zu Beginn des vierten Quartals die Lieferzeiten deutlich verlängert. Dazu haben neben der verstärkten Nachfrage infolge der globalen Industrieerholung sowie der Bemühung, die Versorgungssicherheit zu stärken, auch anhaltende Störungen in den Lieferketten, unter anderem durch die Blockade wichtiger Seepassagen, beigetragen.

 

Beschäftigung nimmt seit dem Sommer zu

 

Die heimischen Betriebe haben im Oktober auf die anhaltende Verbesserung der Auftragslage und die steigenden Auftragspolster mit einer erneuten Anpassung der Personalkapazitäten reagiert. „Mit 51,6 Punkten weist der Beschäftigtenindex mittlerweile den dritten Monat in Folge auf eine Personalaufstockung in der heimischen Sachgütererzeugung hin. Das Tempo des Jobaufbaus hat sich gegenüber dem Vormonat sogar leicht erhöht“, so Pudschedl.

 

In der heimischen Industrie zeigt sich gegenüber dem Vorjahr jedoch immer noch ein Rückgang der Beschäftigung und diese dürfte auch im Gesamtjahr 2026 ein Minus von rund einem Prozent erreichen. Der Rückgang der Beschäftigung in der Sachgütererzeugung im Jahresdurchschnitt um etwa 6.000 Personen wird von einer Zunahme der Anzahl der Arbeitssuchenden begleitet. Die Arbeitslosenquote im Sektor wird daher im Jahresdurchschnitt 2026 auf 4,4 Prozent steigen, nach 4,3 Prozent im Jahr 2025. Damit bleibt die Arbeitslosenquote in der heimischen Industrie jedoch weiterhin deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten für 2026 im Durchschnitt eine Arbeitslosenquote in der Gesamtwirtschaft von 7,6 Prozent.

 

Lagertrends sprechen für höheren Optimismus

 

Der anhaltende Anstieg der Produktionsleistung und des Neugeschäfts hat sich im Oktober auch in einer weiteren Erhöhung der Einkaufsmenge der Hersteller niedergeschlagen. Der Index für die Einkaufsmenge stieg auf 54,0 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchstwert seit dem Sommer 2022. Die stärkeren Einkaufsaktivitäten stehen neben der günstigeren Nachfragesituation auch im Einklang mit erhöhten Anstrengungen angesichts der Lieferkettenprobleme, die Versorgungssicherheit mit Vormaterialien zu erhöhen.

 

Die Festigung der Industrieerholung zeigt sich auch in der Entwicklung der Lagerbestände. Während die Unternehmen ihre Einkaufsaktivitäten weiter ausweiteten, fiel der Aufbau der Vormateriallager vergleichsweise moderat aus. Der Index für die Vormateriallager sank auf 51,8 Punkte und lag damit erstmals seit dem Frühjahr unter dem Index für die Fertigwarenlager, der im Oktober auf 52,3 Punkte stieg. Zwar könnte diese Konstellation auf den ersten Blick als Hinweis auf eine Überschätzung der Nachfrage und eine mögliche Abschwächung der Konjunktur interpretiert werden. Die robusten Auftragseingänge, die steigenden Einkaufsvolumina und die zunehmenden Auftragsbestände sprechen derzeit jedoch dafür, dass die heimischen Industriebetriebe mit einer anhaltenden Erholung rechnen und ihre Fertigwarenlager gezielt aufbauen, um einer erwarteten stärkeren Nachfrage sowie möglichen Lieferengpässen begegnen zu können.

 

Schere zwischen Einkaufs- und Verkaufspreise hat sich weiter geöffnet

 

Der Preisauftrieb in der österreichischen Industrie beschleunigte sich im Oktober weiter. Der Index für die Einkaufspreise stieg von 72,1 auf 77,4 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchststand seit dem Frühjahr. Besonders die Verteuerung von Öl und anderen Rohstoffen sowie von Komponenten wie Elektronikteilen sorgten für einen verstärkten Kostenanstieg. Zusätzlich wirkten Lieferengpässe, die gestiegene Nachfrage sowie der vorsorgliche Lageraufbau preistreibend.

 

Die Unternehmen konnten die höheren Kosten jedoch nur teilweise an ihre Kunden weitergeben. Mit 57,5 Punkten signalisiert der Verkaufspreisindex zwar weiterhin klar steigende Absatzpreise, jedoch deutlich geringer als jener der Einkaufspreise.

 

„Trotz der verbesserten Auftragslage sorgt der scharfe Wettbewerb weiterhin für geringe Spielräume bei der Preissetzung. Die Kosten für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie stiegen im Oktober deutlich schneller als die erzielbaren Verkaufspreise. Die Preisschere hat sich sogar weiter geöffnet und belastet die Gewinnmargen vieler Unternehmen noch stärker als in den Vormonaten“, so Pudschedl.

 

Positive Erwartungen trotz geopolitischer Unsicherheiten

 

Der aktuelle UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex für die österreichische Industrie zeigt mittlerweile den achten Monat in Folge einen Wert über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten an. Nach einer Delle im Sommer als Folge der Eskalation des Iran-Konflikts scheint sich die Erholung der Industriekonjunktur Schritt für Schritt zu verfestigen und auch für die kommenden Monate spricht die robuste Auftragslage für ein Anhalten des Aufschwungs. Diese Aussicht wird durch die Entwicklungen in den wichtigsten Absatzmärkten der österreichischen Industrie, insbesondere in Deutschland, unterstützt.

 

Das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen deutet ebenfalls auf weiteres Wachstum hin. Seit vier Monaten bewegt sich diese Kennzahl in einem Bereich, der für eine Fortsetzung des Aufschwungs spricht. Im Oktober stieg der Auftragseingangsindex auf 57,2 Punkte, während der Index für die Fertigwarenlager lediglich 52,3 Punkte erreichte. Die Lagerbestände wurden damit offenbar nicht im gleichen Ausmaß aufgebaut wie die Nachfrage zunahm. Dies spricht dafür, dass die Unternehmen ihre Produktion in den kommenden Monaten weiter ausweiten und zusätzliche Beschäftigung aufbauen werden.

 

„Die Konjunktureinschätzung der heimischen Industriebetriebe hat sich im Oktober trotz der Unsicherheiten durch die Spannungen im Nahen Osten und dessen Folgen auf die Kostenentwicklung weiter verbessert. Seit Anfang 2025 übersteigt die Anzahl der heimischen Betriebe, die auf Jahressicht Produktionszuwächse erwarten, die Anzahl der Unternehmen, die Einbußen erwarten“, meint Bruckbauer und ergänzt abschließend: „Österreichs Industriebetriebe wurden im Oktober sogar noch optimistischer. Der Erwartungsindex stieg auf 59,9 Punkten und übertrifft damit deutlich den langjährigen Durchschnittswert.“

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