Logo der Deutsche Handelskammer in Österreich
  • News

Creditreform Firmeninsolvenzstatistik 1. bis 3. Quartal 2026: 27 Insolvenzverfahren pro Werktag

Firmeninsolvenzen im 1. bis 3. Quartal 2026 leicht rückläufig. Entwarnung wäre verfrüht .Unternehmen bleiben unter hohem Kosten- und Margendruck

Infografik „Insolvenzen in Österreich – 1. bis 3. Quartal 2026“ mit Kennzahlen zu Unternehmensinsolvenzen nach Bundesländern, Aufteilung nach Branchen (Kreisdiagramm), Top 3 Insolvenzen nach Beschäftigten sowie Gesamtwerten zu Jobs und Euro-Verbindlichkeiten.
(c) Creditreform

In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in Österreich insgesamt 5.115 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das entspricht gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einem leichten Rückgang um 41 Fälle bzw. 0,8%. Gleichzeitig zeigt ein genauerer Blick auf die Insolvenzstruktur, dass von einer nachhaltigen Entspannung bei den Unternehmen keine Rede sein kann. Die Zahl der mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzverfahren stieg um 9,2% auf 2.193 Fälle, während die eröffneten Insolvenzverfahren um 7,2% zurückgingen.

 

„Der leichte Rückgang der Unternehmensinsolvenzen ist zunächst positiv. Er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen weiterhin angespannt ist. Die Unternehmen kämpfen mit hohen Kosten, einer nach wie vor verhaltenen Nachfrage und einem schwierigen internationalen Umfeld. Gerade für margenschwache Betriebe bleibt die finanzielle Widerstandsfähigkeit eine zentrale Herausforderung“, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform.

 

Österreichs Wirtschaft kommt nur langsam aus der Schwächephase

 

Die aktuellen Konjunktureinschätzungen der Wirtschaftsforscher zeigen ein weiterhin herausforderndes Umfeld. Nach einer schwächeren Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 soll die österreichische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder auf einen moderaten Wachstumspfad einschwenken. Gleichzeitig wird die Inflation für 2026 mit rund 3% prognostiziert.

 

„Die österreichische Wirtschaft befindet sich damit noch nicht in einer Phase kräftiger Expansion. Eine leichte konjunkturelle Verbesserung reicht noch nicht aus, um die Belastungen der vergangenen Jahre vollständig zu überwinden. Für die Unternehmen bedeutet das: Liquidität sichern, Kosten kontrollieren und Forderungsausfälle konsequent vermeiden“, so Weinhofer.

 

Bauwirtschaft und Gastronomie bleiben besonders unter Druck

 

Die Branchenentwicklung zeigt ein differenziertes Bild. Besonders auffällig ist die Situation im Bauwesen: Mit 666 Insolvenzen stiegen die Fälle um 2,8%. Die Insolvenzquote liegt mit 27,6 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 13,9.

 

Auch das Beherbergungs- und Gaststättenwesen weist mit 620 Insolvenzen einen Anstieg von 5,3% auf. Die Insolvenzquote beträgt hier 14,0. Demgegenüber gingen die Insolvenzen im Handel um 7,3% im Verkehrs- und Nachrichtenwesen um 11,3% und im Kredit- und Versicherungswesen um 15,7% zurück.

 

„Gerade bei Bauunternehmen, in der Gastronomie und in anderen personal- und kostenintensiven Branchen sehen wir, wie rasch sich eine angespannte Kostenstruktur in Liquiditätsprobleme verwandeln kann. Unternehmen müssen daher ihre wirtschaftliche Situation und insbesondere ihre Außenstände wesentlich früher beobachten als erst unmittelbar vor einer drohenden Insolvenz“, betont Weinhofer.

 

Regional große Unterschiede

 

Auch zwischen den Bundesländern zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild. Besonders stark stiegen die Unternehmensinsolvenzen in Vorarlberg (+48,6%), Kärnten (+14,0%) und der Steiermark (+13,4%). Deutliche Rückgänge verzeichneten hingegen Tirol (-33,4%), Salzburg (-14,8%), Burgenland (-12,7%) sowie Wien und Oberösterreich mit jeweils -2,7%.

 

Mit 22,8 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen weist Wien weiterhin die höchste Insolvenzquote auf. Es folgen Niederösterreich mit 13,2 und Kärnten mit 13,8 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen.

 

Insolvenzen großer Unternehmen zeigen weiterhin hohe Schadenspotenziale

 

Trotz des leichten Rückgangs der Fallzahlen bleibt die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Großinsolvenzen erheblich. Unter den zehn größten Insolvenzen nach Verbindlichkeiten finden sich im bisherigen Jahresverlauf 2026 unter anderem die Laura Privatstiftung mit rund 1,07 Mrd. Euro, LL-resources GmbH mit 144,9 Mio. Euro und EITEK GmbH mit 144,0 Mio. Euro.

 

Auch die Beschäftigtenzahlen verdeutlichen die volkswirtschaftliche Dimension einzelner Verfahren. Unter den größten Insolvenzen nach Beschäftigten befinden sich etwa WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H. mit 361 Beschäftigten, Pollmann Austria GmbH mit 321 und EITEK GmbH mit 319 Beschäftigten.

 

Gläubigerschutz beginnt lange vor der Insolvenz

 

Für Creditreform ist die Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, dass moderner Gläubigerschutz nicht erst im Insolvenzverfahren beginnen darf.

 

„Ein funktionierendes Risiko- und Forderungsmanagement ist heute ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Wer seine Kunden kennt, Bonitätsveränderungen frühzeitig erkennt, Zahlungsziele konsequent überwacht und bei überfälligen Forderungen rasch reagiert, kann Zahlungsausfälle reduzieren und Liquidität sichern“, erklärt Weinhofer.

 

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es gefährlich, Forderungsmanagement ausschließlich als nachgelagerte Inkassomaßnahme zu betrachten. Vielmehr müsse es als durchgängiger Prozess verstanden werden – von der Bonitätsprüfung über laufendes Monitoring und professionelles Kreditlimit-Management bis hin zum konsequenten Forderungseinzug.

 

„Liquidität ist der entscheidende Schutzschirm“

 

„Die kommenden Monate werden zeigen, wie nachhaltig die derzeit erwartete Konjunkturerholung tatsächlich ausfällt. Für Unternehmen gilt daher mehr denn je: Liquidität ist der entscheidende Schutzschirm gegen wirtschaftliche Schocks. Forderungsausfälle können gerade bei Unternehmen mit geringen Margen rasch existenzbedrohend werden. Prävention, aktuelle Wirtschaftsinformationen und professionelles Forderungsmanagement sind deshalb keine Kür, sondern Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung“, so Weinhofer abschließend.

 

Für den Inhalt verantwortlich, Rückfragehinweis und Insolvenzstatistik:
Mag. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer
Österreichischer Verband Creditreform
Tel.: +43-1-218 62 20-551 | g.weinhofer@wien.creditreform.at

 

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub