- Die österreichische Exportwirtschaft behauptet sich international nach wie vor relativ gut, jedoch ging der Anteil an den weltweiten Warenexporten von 0,93 Prozent im Jahr 2010 auf 0,85 Prozent 2024 zurück
- China und Vietnam gewinnen vor allem in jenen Produktgruppen Marktanteile, die zu den traditionellen Stärken der österreichischen Industrie zählen
- Innovation für die Zukunft entscheidend: Alle österreichischen Bundesländer haben Marktanteile im Export verloren, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß
- Österreich verfügt im internationalen Vergleich weiterhin über eine hochwertige Exportstruktur – die Steiermark verzeichnete mit rund 3 Prozent die geringsten Marktanteilsverluste
- Platz 2 für Wien: Bei den für Österreich besonders wichtigen Kernprodukten konnten leichte Zugewinne erzielt werden, der Rückgang der Exportmarktanteile war mit 7 Prozent geringer als der Österreich-Schnitt
- Kärnten, Tirol und Niederösterreich mussten die stärksten relativen Verluste mit über 10 Prozent hinnehmen
- Oberösterreich verzeichnete als größtes Exportbundesland Österreichs den stärksten absoluten Rückgang seines Anteils an den weltweiten Exporten
Die Konkurrenz auf den Weltmärkten nimmt zu. Während Länder wie China, Vietnam, Indien und die EU-Länder Polen und Slowenien ihre Position im internationalen Handel deutlich ausbauen konnten, verloren zahlreiche etablierte Industriestandorte Marktanteile. Auch Österreich blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Wie eine aktuelle Analyse der UniCredit Bank Austria zeigt, sank der Anteil Österreichs an den weltweiten Warenexporten zwischen 2010 und 2024 um mehr als 8 Prozent von 0,93 Prozent auf 0,85 Prozent. Gleichzeitig zeigt die auf Bundesländerebene durchgeführte Untersuchung deutliche Unterschiede innerhalb Österreichs.
Die österreichische Exportwirtschaft behauptet sich im internationalen Vergleich nach wie vor relativ gut. Dennoch zeigt die Analyse, dass der globale Wettbewerbsdruck spürbar zugenommen hat. „Vor allem die rasante Entwicklung asiatischer Volkswirtschaften verändert die Kräfteverhältnisse auf den Weltmärkten nachhaltig“, sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria.
China und Vietnam holen technologisch auf
Besonders auffällig ist die Entwicklung Chinas und Vietnams. Beide Länder konnten ihre Marktanteile auf den Weltmärkten deutlich steigern und zugleich ihre Exportstrukturen technologisch aufwerten. Die Zugewinne konzentrieren sich zunehmend auf jene Produktgruppen, die traditionell zu den Stärken der österreichischen Industrie zählen, etwa Maschinenbau, Elektronik oder Fahrzeugtechnik. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Vietnam zunehmend als Produktions- und Exportdrehscheibe für chinesische Unternehmen fungiert. Der kräftige Anstieg der vietnamesischen Exporte in die USA ging in den vergangenen Jahren mit stark steigenden Importen aus China einher. Ein Teil der wachsenden vietnamesischen Exporterfolge spiegelt daher auch Verlagerungen innerhalb asiatischer Lieferketten sowie die Umgehung von Handelsbarrieren gegenüber China wider.
„Der Wettbewerb kommt längst nicht mehr nur über niedrigere Produktionskosten. China und zunehmend auch Länder wie Vietnam, Indien und Mexiko sind heute in vielen technologieintensiven Bereichen erfolgreiche Wettbewerber. Gerade das erhöht den Druck auf die österreichische Industrie, ihre Innovationskraft weiter auszubauen“, erklärt Robert Schwarz, Ökonom der UniCredit Bank Austria.
Außenhandel mit China und Vietnam gewinnt auch in Österreich an Bedeutung
Die wachsende Bedeutung Chinas und Vietnams zeigt sich auch im österreichischen Außenhandel. Die Warenimporte aus China haben sich zwischen 2010 und 2025 auf 17,5 Mrd. Euro mehr als verdreifacht, jene aus Vietnam auf knapp 2 Mrd. Euro sogar mehr als versiebenfacht. Die gesamten österreichischen Warenimporte stiegen im selben Zeitraum dagegen nur um 73 Prozent. China war damit 2025 nach Deutschland bereits der zweitwichtigste Importmarkt Österreichs.
Die Importstruktur verdeutlicht zudem den technologischen Aufstieg insbesondere Chinas. Zu den wichtigsten Importgütern aus China zählten 2025 Elektronik, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Auch bei den Importen aus Vietnam hat sich die Struktur verändert. Elektronikprodukte stehen mittlerweile an erster Stelle, gefolgt von Waren der Bekleidungsindustrie. Dies zeigt, dass insbesondere China, zunehmend aber auch Vietnam, ihre Stellung bei technologisch anspruchsvolleren Produkten ausbauen konnten, während die Bedeutung klassischer arbeitsintensiver Güter wie Bekleidung zurückgeht.
Bei den österreichischen Exporten nach China und Vietnam verlief die Entwicklung deutlich moderater. Die Warenexporte nach China stiegen zwischen 2010 und 2025 um knapp 80 Prozent auf rund 5 Mrd. Euro und damit nur geringfügig stärker als die gesamten österreichischen Exporte, die wie die gesamten Importe um rund 73 Prozent zunahmen. Die Exporte nach Vietnam haben sich im selben Zeitraum zwar verdreifacht, erreichten 2025 jedoch lediglich knapp 300 Mio. Euro. Wichtigstes österreichisches Exportgut nach China waren 2025 mit großem Abstand Maschinen, gefolgt von Elektronik und pharmazeutischen Erzeugnissen.
Die starke Importdynamik bei gleichzeitig deutlich schwächerem Exportwachstum hat zu erheblichen Handelsbilanzdefiziten geführt. Im Jahr 2025 belief sich das österreichische Handelsdefizit gegenüber China auf rund 12,5 Mrd. Euro, gegenüber Vietnam auf 1,6 Mrd. Euro.
„Während die Importe aus China und Vietnam außerordentlich dynamisch gewachsen sind, konnten die österreichischen Exporte in beide Länder mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Gleichzeitig verdeutlicht es den zunehmenden Wettbewerbsdruck in jenen Industriebereichen, die traditionell zu den Stärken Österreichs zählen“, so Schwarz.
Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit der Bundesländer
Ein Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der regionalen Betrachtung der Exportentwicklung mit einer Analyse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Bundesländer.
Dabei zeigt sich, dass sämtliche Bundesländer zwischen 2010 und 2024 Exportmarktanteile verloren haben. Die Unterschiede sind jedoch beträchtlich. Kärnten, Tirol und Niederösterreich verzeichneten die stärksten Marktanteilsverluste. Ihr Anteil an den weltweiten Exporten ging jeweils um mehr als 10 Prozent zurück. Die Steiermark hingegen erwies sich als relativ widerstandsfähig. Dort ging der Exportmarktanteil lediglich um rund drei Prozent zurück, was in erster Linie auf die robuste Exportentwicklung der KFZ-Industrie und dem Maschinenbau zurückzuführen war.
„Die Ergebnisse zeigen, dass es innerhalb Österreichs erhebliche Unterschiede bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit gibt. Die Steiermark konnte ihre Position auf den Weltmärkten vergleichsweise gut behaupten und zeigt damit die relativ hohe Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie“, so Schwarz.
Oberösterreich unter besonderem Druck
Die größten absoluten Marktanteilsverluste entfielen auf Oberösterreich. Das ist vor allem auf die hohe Bedeutung des Bundeslandes als führender österreichischer Exportstandort zurückzuführen. Gleichzeitig konzentrieren sich die Rückgänge wie auch in Niederösterreich besonders auf jene Produktgruppen, die zu den industriellen Kernsegmenten Österreichs zählen wie beispielsweise Maschinen.
„Gerade in den exportstarken Industrieregionen zeigt sich der zunehmende internationale Wettbewerb besonders deutlich. Die Marktanteilsverluste konzentrieren sich vielfach auf jene Produktgruppen, in denen Österreich traditionell stark ist und in denen vor allem asiatische Wettbewerber zuletzt massiv zulegen konnten“, analysiert Schwarz.
Wien behauptet sich bei Kernprodukten
Eine Sonderrolle nimmt Wien ein. Mit einem Rückgang der Exportmarktanteile von 7 Prozent zwischen 2010 und 2024 schnitt die Bundeshauptstadt deutlich besser ab als Österreich insgesamt und lag hinter der Steiermark auf Rang zwei unter den Bundesländern. Während Wien bei vielen übrigen Produkten Marktanteile verlor, konnte die Bundeshauptstadt bei den für Österreich besonders wichtigen Kernprodukten sogar leichte Zugewinne erzielen. Damit unterscheidet sich Wien von den meisten anderen Bundesländern. Der Wettbewerbsvorteil Wiens basiert im Wesentlichen auf einer einzigen Branche: Die Pharmaexporte haben sich von 2010 bis 2024 verfünffacht und waren der entscheidende Treiber der positiven Entwicklung bei den Kernprodukten.
„Die Wiener Entwicklung zeigt, dass erfolgreiche Spezialisierung auch in einem verschärften Wettbewerbsumfeld möglich ist. Entscheidend wird künftig sein, die Position in technologisch anspruchsvollen und wissensintensiven Segmenten weiter auszubauen“, betont Schwarz.
Innovation bleibt entscheidend
Die Analyse kommt zum Schluss, dass Österreich im internationalen Vergleich weiterhin über eine hochwertige Exportstruktur verfügt. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, werden jedoch Innovation, Forschung, technologische Führerschaft und die Erschließung neuer Märkte zunehmend an Bedeutung gewinnen.
„Die Ergebnisse zeigen, dass sich der globale Wettbewerb zunehmend auf jene Bereiche verlagert, die für Österreichs Industrie besonders wichtig sind. Umso entscheidender wird es sein, die eigene technologische Stärke konsequent weiterzuentwickeln und neue Wachstumsmärkte zu erschließen“, fasst Bruckbauer zusammen.