Mit einem richtungsweisenden Vortrag eröffnete Prof. Dr. Axel A. Weber den ersten DHK Lunch des Jahres 2026. Bereits zum dritten Mal konnte der deutsche Ökonom, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank und heutiger strategischen Berater der Flossbach von Storch SE begrüßt werden.
Nach der Anmoderation durch Christian Jauk, Erster Vizepräsident der DHK und CEO der GRAWE Bankengruppe, spannte Weber einen umfassenden Bogen über die aktuelle wirtschaftliche Lage, geldpolitische Entwicklungen und die Perspektiven der internationalen Finanzmärkte. Gleich zu Beginn verwies er auf die kurze Halbwertszeit politischer Themen in einer zunehmend volatilen Weltordnung.
Geldpolitik zwischen Zinswende und Inflationsrisiken
Im Fokus seines Vortrags standen die globalen Zentralbanken. Während die amerikanische Geldpolitik weiterhin richtungsweisend sei, gewinne die europäische zunehmend an Bedeutung – ebenso wie die japanische Notenbank, deren Entscheidungen stärker in den internationalen Kontext hineinwirkten. Nach Jahren eines negativen Zinsumfelds sei Europa inzwischen bei einem Leitzinsniveau von rund zwei Prozent angekommen. Gleichzeitig würden die globalen Zinsen tendenziell weiter sinken, während die mittelfristigen Inflationsrisiken erneut zunähmen.
USA: Politische Volatilität und Marktreaktionen
Mit Blick auf die USA beschrieb Weber die hohe politische Unsicherheit unter dem bekannten Muster: „Trump always comes in waves.“ Eskalation und anschließende Deeskalation prägten die amerikanische Politik, wobei die Finanzmärkte auf diese Dynamik zunehmend abgestumpft reagierten. Institutionelle Korrektive hätten dabei zuletzt deutlich an Wirkung verloren.
Kapitalmärkte im Wandel
An den Kapitalmärkten blickte Weber auf ein insgesamt starkes Aktienjahr 2025 zurück – insbesondere in Japan. Kurzfristige Rückschläge, wie der von Donald Trump ausgerufene „Liberation Day“, hätten zwar für Verwerfungen gesorgt, seien jedoch rasch wieder aufgeholt worden. Langfristig blieben Aktien für ihn die stärkste Anlageklasse, getragen vor allem von den großen US-Technologieunternehmen – den sogenannten „Magnificent Seven“.
Künstliche Intelligenz als Wachstumsmotor
Ein zentraler Wachstumstreiber bleibe weiterhin die Entwicklung rund um Artificial Intelligence. Die KI-Dynamik sei noch nicht an ihrem Höhepunkt angekommen, jedoch sei mit neuen Marktführern zu rechnen, die bestehende Machtverhältnisse verändern könnten. Die enorme Konzentration von Wachstum und Konsum in den USA – mit rund 50 Prozent des Wachstums durch Investitionen und 40 Prozent des Konsums durch die einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung – berge erhebliche gesellschaftliche Spannungen.
Europas Rolle zwischen Abhängigkeit und Eigenständigkeit
Europa stehe vor strukturellen Herausforderungen, verfüge jedoch über wichtige Korrektive in Form sozialer Ausgleichsmechanismen. Für die Jahre 2026 und 2027 erwartet Weber positive fiskalpolitische Impulse, sofern es gelinge, Kapital gezielt im europäischen Markt zu halten und zu investieren. „Im Banking können wir uns gut von Amerika unabhängig machen – im Tech nicht so leicht“, so Weber. Sein Appell: ein starkes, souveränes und unabhängiges Europa.
Gold, Silber und die Suche nach Stabilität
Ein weiteres Thema waren Edelmetalle. Gold und Silber gewinnen laut Weber weiter an Bedeutung als Stabilitätsanker, insbesondere da viele Zentralbanken physisches Gold akkumulieren. Zwar sei auch hier eine Überhitzung erkennbar, diese dürfte jedoch deutlich kürzer ausfallen als frühere Marktblasen.
Handelskonflikte als Wachstumsbremse
Sorgen bereiteten ihm hingegen die zunehmenden Zoll- und Handelskonflikte. Besonders betroffen seien China, Kanada, Mexiko, Deutschland und Vietnam. Für Deutschland hätten diese Entwicklungen weitreichende Folgen, insbesondere für die Pharmaindustrie sowie den Fahrzeug- und Maschinenbau. Angesichts der bestehenden Energieabhängigkeiten sei ein Handelskrieg nicht zu gewinnen – und sollte daher vermieden werden.
Fazit: Gemeinsam Stärke entwickeln
Mit dem Bild „You have to play Skat without Trump“ leitete Weber sein Fazit ein: Europa müsse lernen, strategisch ohne Trumpf zu spielen, eigene Stärken konsequent auszubauen und den globalen Finanzmarktwettbewerb aktiv mitzugestalten. Nur durch gemeinsames Handeln lasse sich wirtschaftliche Resilienz sichern.
Austausch und Networking
Im Anschluss nutzten mehr als 130 Gäste die Gelegenheit, die vielfältigen Impulse des Vormittags beim Networking im Hotel The Hoxton intensiv weiterzudiskutieren. Darunter Unternehmer:innen, Finanzexpert:innen, Wirtschaftstreibende und Führungspersönlichkeiten wie:
MMag. Dr. Gerald Resch, Generalsekretär Bankenverband, Christian Jauk, DHK Erster Vizepräsident und CEO GRAWE Bankengruppe, Margit Pöttmesser, Leitung Private Mandanten Süd/Österreich Flossbach von Storch SE, Mag. Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, Supervisory Board Commerzbank AG , Roland Sinkovits Niederlassungsleiter Wien Flossbach von Storch, Elisabeth Pötsch (Volkswagen AG), Andreas Wagner (SAP Österreich), Michaela Rammel (Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien), Angelika Kiessling-Kranzlmayer (AK Strategy & Business), Arnold Bubeck (Landesbank Baden-Württemberg), Elisabeth Schmidl (Rechtsanwältin), Jochen Borenich (CanCom Austria), Siegfried Kiss (RAG AG), Wolfgang Gomernik (Delta Holding), Susanne Riess-Hahn (Bausparkasse Wüstenrot), Karin Grün (Deutsche Bank), Elisabeth Eigruber (TextHelden/Green Value Communication), Markus Mühleisen (Horn & Company), Bernd Roland (Dräger Austria), Reinhard Wolf (EVN AG), Georg Krause (msg Plaut), Gerald Sittner (Commerzbank) und viele mehr.
Ein herzlicher Dank gilt dem Bankenverband für die Kooperation sowie dem auf Vermögensverwaltung spezialisierten deutschen Finanzdienstleistungsinstitut Flossbach von Storch, Partner der DHK Lunch-Reihe 2026.
Autorin: Henriette Gerlach, Praktikantin | DHK
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Axel A. Weber ist promovierter Volkswirt. Nach seiner Habilitation 1994 hatte er verschiedene Lehrstühle inne, ehe er von 2002 bis 2004 Mitglied des Sachverständigenrats wurde. Zwischen 2004 und 2011 war er Präsident der Deutschen Bundesbank. Inmitten der Eurokrise machte er sich als Mahner für Geldwertstabilität einen Namen. 2012 wechselte er als Präsident an die Spitze des Verwaltungsrats der UBS Group in Zürich und trieb dort die strategische Neuausrichtung des Unternehmens voran. Seit 2022 berät er die Geschäftsführung der Flossbach von Storch SE in strategischen Fragen.