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Nahost-Konflikt belastet die Erholung der österreichischen Industrie

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UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im April

Herstellende Firmen als Zahnrad
(c) AdobeStock
  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im April auf 51,2 Punkte
  • Weniger Neugeschäft sorgte für eine leichte Verringerung der Produktion in den österreichischen Industriebetrieben
  • Der Jobabbau beschleunigte sich im April wieder deutlich
  • Der hohe Kostendruck verursachte den stärksten Anstieg der Abgabepreise seit über drei Jahren
  • Zunehmende Versorgungsängste und der Nachfragerückgang führten zu einem Anstieg der Bestände in den Vormateriallagern und Fertigwarenlagern
  • Kapazitätsengpässe, Rohstoffknappheit und Störungen im Transport aufgrund des Nahost-Konflikts lösten eine deutliche Verlängerung der Lieferzeiten aus 
  • Optimismus nimmt ab: Die Geschäftserwartungen binnen Jahresfrist sanken im März auf 53,7 Punkte, den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr

 

„Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im April auf 51,2 Punkte. Trotz der Verunsicherung durch den Nahost-Konflikt überschritt der Indikator nach dem 4-Jahres-Hoch im Vormonat somit erneut die Neutralitätsgrenze von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die geopolitischen Spannungen belasten die Erholung der österreichischen Industrie bereits spürbar. Angesichts der Störung der Energieversorgung durch die Blockade der Straße von Hormus und der Beschädigung von Energieverarbeitungsanlagen in den Anrainerstaaten droht – abhängig von der Dauer des Konflikts – für Österreichs Industrie der Rückfall in eine Rezession. Noch besteht leichter Optimismus in der heimischen Industrie. Der Index der Produktionserwartungen sank im April jedoch auf 53,7 Punkte, den niedrigsten Wert seit über einem Jahr.“

 

Der Nahost-Konflikt hat zu Beginn des zweiten Quartals deutliche Spuren in der österreichischen Industrie hinterlassen, die sich im aktuellen Rückgang des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex widerspiegeln. „Als Reaktion auf die sinkende Nachfrage aus dem In- und Ausland reduzierten die heimischen Industriebetriebe im April die Produktion und beschleunigten den Personalabbau. Hohe Kostenanstiege zwangen zur Anhebung der Verkaufspreise. Versorgungsängste, geschürt durch eine deutliche Verlängerung der Lieferzeiten, lösten einen Aufbau von Lagerbeständen an Vormaterialien aus, während die geringere Nachfrage einen Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern verursachte“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen.

 

Mit den Belastungen durch den Nahost-Konflikt stand die österreichische Industrie zu Beginn des zweiten Quartals nicht allein da. Während der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie im gesamten Euroraum  leicht auf 52,2 Punkte zulegte, angetrieben unter anderem von der Entwicklung in Frankreich, nahm in Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner der heimischen Industrie, der Einkaufsmanagerindex wie in Österreich ab und lag mit 51,2 Punkten exakt auf gleicher Höhe wie hierzulande.

 

„Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex lag im April wieder unter dem entsprechenden Indikator für den Euroraum und selbst im Vergleich zu Deutschland zeigte sich trotz gleich hohem Gesamtwert eine offenbar stärkere Reaktion der österreichischen Industrie auf den Nahost-Konflikt. In der Eurozone und in Deutschland nahmen die Aufträge leicht zu und die Produktionsleistung wurde ausgeweitet“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

 

Weniger Neugeschäft und geringere Produktionsleistung

 

Nach zwei Monaten mit steigender Nachfrage und Produktionsausweitungen wurde der Aufwärtstrend in der österreichischen Industrie als Folge der Belastungen durch den Nahost-Konflikt zumindest unterbrochen. Weniger Neugeschäft ließ die heimischen Betriebe die Produktionsleistung reduzieren. Der Produktionsindex sank auf 49,5 Punkte, wobei der Aufbau von Sicherheitsbeständen vor dem Hintergrund steigender Preise und Lieferstörungen den Rückgang noch begrenzte. Zudem weist der starke Rückgang der Auftragsrückstände auf die Abarbeitung ausstehender Aufträge zur Erhaltung der Auslastung der Kapazitäten hin. 

 

„Nach zwei Monaten mit Auftragszuwächsen nahm das Neugeschäft im April wieder leicht ab. Der Index für die Neuaufträge sank auf 49,2 Punkte, belastet durch eine in gleichem Ausmaß verringerte Nachfrage aus dem In- und Ausland“, meint Pudschedl und ergänzt: „Die Verunsicherung durch den Nahost-Krieg führte zu ersten Stornierungen von Aufträgen bzw. Verschiebungen von Bestellungen. Zudem sorgten steigende Preise und Lieferschwierigkeiten für mehr Zurückhaltung der Kunden.“

 

Bewusster Lageraufbau, aber auch Folgen geringerer Nachfrage

 

Angesichts von Versorgungsängsten durch die geopolitischen Spannungen haben die heimischen Industriebetriebe im April ihre Einkaufsmengen den zweiten Monat in Folge erhöht und damit für einen Anstieg der Bestände an Vormaterialien und Rohstoffen gesorgt. Erstmals seit über drei Jahren nahmen die Vorräte in den Lagern zu, um für mögliche Kapazitätsengpässe, die Verknappung von Rohstoffen und Transportunterbrechungen besser gewappnet zu sein. Der Anstieg der Lagerbestände ist jedoch auch eine Folge der zurückgenommenen Produktion angesichts geringerer Kundennachfrage. Dies spiegelt sich im gleichzeitigen Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern wider, der so stark ausfiel wie zuletzt vor einem Jahr.

 

„Der Druck auf die Lieferketten ist seit dem Beginn des Nahost-Konflikts und der Blockade der Straße von Hormus massiv gestiegen. Zusätzliche Bestellungen aus Versorgungsängsten verschärften die Lieferschwierigkeiten weiter. Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich im April so stark wie zuletzt im Sommer 2022“, meint Pudschedl. 

 

Geringere Margen durch hohe Kostendynamik

 

Im April stiegen die Einkaufspreise erneut stark an. Der entsprechende Index kletterte auf 77,4 Punkte, den höchsten Wert seit dreieinhalb Jahren. Die Hauptursachen waren die Lieferstörungen durch die Blockade der Straße von Hormus, die zu stark gestiegenen Preisen für Erdöl und Gas führten. Dadurch erhöhten sich vor allem die Kosten für Energie, Treibstoffe und Transporte. Auch andere Rohstoffe, etwa Düngemittel und Metalle, verteuerten sich. In der Folge mussten auch die Verkaufspreise angehoben werden.

 

„Der starke Kostenanstieg belastete die Ertragslage der Unternehmen im April erheblich. Der seit längerem rückläufige Margentrend entspannte sich gegenüber dem Vormonat nur unwesentlich. Aufgrund des starken Wettbewerbs bei sinkender Nachfrage konnten die Betriebe die deutlich höheren Kosten weiterhin nur teilweise an ihre Kunden weitergeben. Das Verhältnis zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen erreichte abgesehen vom Vormonat den ungünstigsten Stand seit fünf Jahren“, so Pudschedl.

 

Der Jobabbau in der Industrie beschleunigte sich

 

Angesichts der niedrigeren Produktionsanforderungen und des sinkenden Neugeschäfts hat sich der Jobabbau in der österreichischen Industrie im April beschleunigt. Der Beschäftigtenindex sank auf 45,8 Punkte.

 

Die angekündigte Trendwende am Arbeitsmarkt der Sachgütererzeugung ist mit dem Beginn des Nahost-Konflikts und mit den ersten spürbaren Auswirkungen auf Auftrags- und Produktionsentwicklung in der österreichischen Industrie in weitere Ferne gerückt. Mit saisonbereinigt über 28.000 Personen hatte sich jüngst die Anzahl der Arbeitssuchenden in der österreichischen Industrie erhöht. Auch die Arbeitslosenquote weist aufgrund des stärkeren Beschäftigungsrückgangs nach der Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte 2025 nun wieder steigende Tendenz auf.

 

„Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 ist die Arbeitslosenquote in der österreichischen Sachgüterindustrie auf voraussichtlich 4,4 Prozent gestiegen, nach 4,2 Prozent zum Jahreswechsel 2025. In den kommenden Monaten ist infolge der Auswirkungen des Nahost-Konflikts und der Energiekrise mit einem weiteren, leichten Anstieg zu rechnen. Mit 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt wird die Arbeitslosenquote 2026 voraussichtlich etwas höher als im Vorjahr mit 4,3 Prozent ausfallen“, meint Pudschedl und ergänzt: „Die Arbeitslosenquote in der Industrie wird damit jedoch weiterhin deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft ausfallen. Wir erwarten für Österreich insgesamt eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent.“

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