- Stimmungsverschlechterung durch Iran-Krieg ließ den UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator auf minus 1,3 Punkte sinken
- Deutlicher Einbruch der Konsumentenstimmung und der Stimmung im Dienstleistungsbereich, Pessimismus in der Industrie und am Bau hingegen etwas gesunken
- Wachstumsprognose für 2026 auf 0,8 Prozent und für 2027 auf 1,2 Prozent gesenkt
- Geopolitische Unsicherheiten und die höhere Inflation werden die Konsum- und Investitionsdynamik belasten
- Trendwende am Arbeitsmarkt verzögert sich: Arbeitslosenquote 2026 wird wie schon im Vorjahr 7,4 Prozent betragen
- Längere Dauer der Energiekrise erwartet: Wir haben die Inflationsprognose für 2026 von 2,5 auf 3 Prozent angehoben und für 2027 von 2,2 auf 2,6 Prozent
- EZB wird mit Zinsanhebungen reagieren: Erhöhung der Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte im Juni und September erwartet
Mit dem Beginn des Iran-Kriegs hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich deutlich eingetrübt. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator sank im März auf minus 1,3 Punkte, den niedrigsten Wert seit vier Monaten“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Im ersten Quartal erreichte der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator durchschnittlich minus 0,8 Punkte. Das beste Ergebnis seit fast drei Jahren signalisiert eine Fortsetzung der Erholung der österreichischen Wirtschaft mit einem geringfügigen Anstieg des BIPs zu Jahresbeginn 2026. Allerdings spricht die Stimmungsverschlechterung im März für eine einsetzende Verlangsamung des Aufwärtstrends.“
Die geopolitischen Unsicherheiten haben im März insbesondere die Stimmung unter den heimischen Konsument:innen verschlechtert. Eine Inflationsbeschleunigung in Folge der bereits gestiegenen Treibstoffpreise und der damit drohende Kaufkraftverlust haben den Pessimismus der Verbraucher geschürt. Auch im Dienstleistungssektor haben sich die Geschäftsaussichten aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen unter anderem für den Handel oder auch für den Tourismus eingetrübt. Dagegen haben am Bau und in der Industrie die Verunsicherungen angesichts einer verbesserten Auftragsentwicklung etwas abgenommen.
„Während sich die Stimmung in der Industrie und am Bau trotz des Beginns des Iran-Kriegs leicht entspannt hat, verschlechterten sich im März die Aussichten im Dienstleistungssektor, zumal das Verbrauchervertrauen deutlich abnahm. Die Stimmung lag in allen Sektoren der heimischen Wirtschaft Ende des ersten Quartals 2026 im pessimistischen Bereich, zum Teil erheblich unter dem langjährigen Durchschnitt. Zudem war in allen Wirtschaftssektoren in Österreich die Stimmung schlechter als im Euroraum insgesamt, besonders deutlich war der Abstand in der Industrie“, meint Bruckbauer und ergänzt: „aus heutiger Sicht kostet der Konflikt Österreich 0,5 Prozentpunkte Wachstum und rund 1,5 Prozentpunkte Inflation bis 2027“.
Herausforderungen wachsen mit der Dauer des Konflikts
Die Erholung der österreichischen Wirtschaft gerät durch den Nahostkonflikt in Gefahr. Der Iran-Krieg hat kein rasches Ende gefunden und wird wohl nach der angesetzten Waffenruhe weiter schwelen. Die Straße von Hormus wird nach Ansicht der Ökonomen der UniCredit Bank Austria zumindest bis zum Sommer geschlossen bleiben. Die Energieinfrastruktur in den Anrainerstaaten dürfte jedoch weitgehend unbeeinträchtigt bleiben. In der zweiten Jahreshälfte sollte sich eine allmähliche Beruhigung der Lage durchsetzen, wodurch sich der Rohöltransport schrittweise normalisieren und die Preise zu sinken beginnen werden, allerdings werden sie 2026 nicht mehr das Vorkriegsniveau erreichen.
"Durch den länger andauernden Iran-Krieg wird die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich etwas stärker beeinträchtigt werden als in unserer ad-hoc Analyse unmittelbar nach Ausbruch des Kriegs erwartet. Wir haben für 2026 unsere Wachstumsprognose erneut um ein Zehntelprozentpunkt auf 0,8 Prozent zurückgenommen und gehen für 2027 nur noch von einem BIP-Anstieg von 1,2 Prozent aus“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Durch die Herausforderungen wird sich das Erholungstempo zwar verlangsamen, wir sind aber optimistisch, dass der Aufschwung nicht zum Stillstand kommt.“ Gebremst wird das Erholungstempo durch die geopolitischen Verunsicherungen sowie die hohe Inflation, die sich belastend für die Investitionstätigkeit sowie die Entwicklung des Konsums erweisen werden.
Stabiler Arbeitsmarkt, aber vorerst keine Verbesserung
Die Konjunkturerholung ermöglichte in den vergangenen Monaten die Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug im März 7,5 Prozent, wie schon seit Oktober des Vorjahres. Damit dürfte der Höhepunkt des laufenden Zyklus erreicht sein. Die Anzeichen für einen bald einsetzenden Verbesserungstrend haben sich jedoch verflüchtigt und mit den geringeren Wachstumserwartungen verschieben sich die Aussichten auf eine Trendwende auf das zweite Halbjahr.
Die Verlangsamung des Erholungstempos wird eine Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt etwas verzögern. Falls der Iran-Konflikt in der ersten Jahreshälfte endet und eine schrittweise Normalisierung im Ölhandel und bei der Energiepreisentwicklung einsetzt, sollte die Arbeitslosenquote noch im Verlauf der zweiten Jahreshälfte zu sinken beginnen.
„Im Jahresdurchschnitt 2025 stieg die Arbeitslosenquote auf 7,4 Prozent. Trotz der wirtschaftlichen Belastungen durch den Iran-Krieg erwarten wir für 2026 eine Stabilisierung der Arbeitslosenquote bei 7,4 Prozent. Erst für 2027 gehen wir bei günstigeren konjunkturellen Rahmenbedingungen von einem Rückgang auf zumindest 7,3 Prozent aus, der durch einen nur verhaltenen Anstieg des Arbeitskräfteangebots unterstützt werden wird“, meint Pudschedl.
Höhere Inflation, aber unter Vorjahreswert von 3,6 Prozent
„Angesichts des anhaltenden Nahostkonflikts rechnen wir mit höheren Energiepreisen für eine längere Zeitspanne als bisher angenommen. Wir gehen davon aus, dass erst im dritten Quartal 2026 die Preise von Erdöl und Gas von den aktuell hohen Niveaus von rund 100 USD pro Barrel bzw. 60 Euro pro MWh zu sinken beginnen werden. Ende 2026 werden die Energiepreise noch nicht auf das Ausgangsniveau von zu Beginn des Jahres zurückgegangen sein“, erwartet Pudschedl.
Der rasante Anstieg der Treibstoffpreise in Österreich als Folge der Verteuerung von Rohöl hat sich im März bereits in einer deutlichen Beschleunigung der Inflation auf knapp über 3 Prozent niedergeschlagen. In den kommenden Monaten wird der Aufwärtsdruck auf die Preise stark bleiben, so dass in der zweiten Jahreshälfte Inflationswerte von rund 3,5 Prozent erwartet werden müssen.
„Wir haben unsere Inflationsprognose für den Jahresdurchschnitt 2026 nach der ersten Anhebung von 1,9 Prozent auf 2,5 Prozent angesichts des länger anhaltenden Iran-Kriegs auf nunmehr 3 Prozent erhöht. Mit der längeren Konfliktdauer steigt die Wahrscheinlichkeit von Zweitrundeneffekten. Wir haben unsere Inflationsprognose für 2027 von 2,2 auf 2,6 Prozent erhöht“, so Pudschedl.
EZB vor Zinsreaktion?
„Da der Iran-Krieg bereits länger andauert und die Folgen der Blockade der Straße von Hormus auf die Inflation mittlerweile deutlich ausfallen, gehen wir davon aus, dass die Europäische Zentralbank zur Stabilisierung der Inflationserwartungen eine Anhebung der Leitzinsen vornehmen wird. Wir erwarten für Juni und September einen Anstieg des Einlagensatzes um jeweils 25 Basispunkte auf die obere Grenze des neutralen Bereichs. Im dritten Quartal 2027 könnte die EZB bei günstigem Verlauf jedoch eine Zinserhöhung wieder rückgängig machen“, meint Bruckbauer abschließend.