Jan 15

„Digitale Transformation: Chance und Risiko“

Neujahrsempfang 2019 in Graz

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Veranstaltungsbeginn
15.01.2019 | 18:30
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Chancen und Risiken der Digitalisierung standen im Zentrum der Diskussion mit dem Digitalisierungsexperten Prof. Manfred Broy beim Neujahrsempfang 2019 in Graz. Mehr als 120 Gäste aus Wirtschaft und Politik sind am Dienstagabend der Einladung zum Neujahrsempfang 2019 der Landesdelegation Steiermark der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) und des Honorarkonsuls der Bundesrepublik Deutschland für Steiermark und Kärnten gefolgt und sorgten für ein volles Haus in der Aula der Alten Universität Graz.

Zu den Gästen zählten unter anderem der Unternehmer und Doyen Honorarkonsul für Ungarn Rudi Roth, die Grazer Gemeinderätin Daniela Gmeinbauer in Vertretung des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl, Thomas Bauer, Geschäftsführer Schaeffler Austria, Harald Pflanzl, Senior Vice President BASF sowie Messer-Austria-Geschäftsführer Matthias Kuhn und Helmut Gössler, CEO der BDI Holding.

Entgegen manch düsterer Prognosen für die Zukunft Österreichs, Europas und der Welt gab der Neujahrsempfang der DHK einen positiven und von Zuversicht getragenen Ausblick: „Die Welt wird besser“, konstatierte der Vorstandsvorsitzende der Andritz AG, Wolfgang Leitner. Und der CEO der GRAWE Bankengruppe Christian Jauk, zugleich Leiter der steirischen Landesdelegation der DHK, setzte hinzu: „Ich bin sicher, dass sich durch die Digitalisierung nicht alles verändern wird. Das wichtigste Kapital der Banken - das Vertrauen der Kunden - wird bleiben!“

Lebenswelt verändernd

Manfred Broy, Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung Bayern führte in die schwindelerregende Welt der Gigabites und Terabytes ein. Jedenfalls sei die Digitalisierung vergleichbar mit den großen Innovationen der Menschheitsgeschichte, der Erfindung des Buchdrucks und des Autobaus, „nur geht es viel schneller“, sagte er. Das Smartphone habe in nur fünf Jahre „alle Hosentaschen der Welt erobert.“

Über all den unzähligen Innovationen („in ein Auto der Oberklasse aus Bayern sind 50 Computer eingebaut“) verändere sich vor allem das „Weltbild der Menschen“, meinte Broy. Wenn 80 Prozent der U-Bahnpassagiere ein Smartphone in der Hand haben, dann „leben sie mehr in der Welt, die ihnen das Gerät vermittelt, als in ihrer eigentlichen Umgebung“.

Europas Chancen

Welche Chancen hat Europa, hat Österreich in der Entwicklung, die nur von den Internet-Giganten in den USA und China, die größere Summen für Forschung ausgeben als ganze Staaten, vorangetrieben werden? Broys Antwort lautet: In Europa wurde die Konzeption der Industrie 4.0 entwickelt. Das müsse der Ansatz zum „Internet der Dinge“ sein, der Vernetzung von Digitalisierung und Geräten. Ein Anwendungsbereich sei das autonome Fahren. Sehr zuversichtlich zeigte sich Andritz-Chef Leitner: „Wir können bei vielem mithalten. Andritz etwa entwickelt die autonome Zellstoff-und Papierfabrik“.

In einem anregenden Gespräch zwischen Manfred Broy, Wolfgang Leitner und Christian Jauk unter der Leitung von ORF-Steiermark-Chefredakteur Gerhard Koch, wurden auch die ethischen Probleme der Digitalisierung, etwa beim autonomen Fahren aufgeworfen. Dadurch werde die Zahl der Unfälle und Toten auf der Straße drastisch sinken. Aber wie kann man dann solche Fahrzeuge bauen, wenn man weiß, dass es trotzdem Unfälle geben werde, die dann aber nicht der Fahrer, der das Opfer ist, sondern die Konstrukteure verschuldet haben?

Politik in der Verantwortung

Eine große Verantwortung habe die Politik, sagte Broy. Sie müsse etwas tun gegen das „Wildwest im Netz“ und Gesetze schaffen, „die die Nutzer absichern“ und dafür sorgen, dass „bei uns nicht das passiert, was sich in China schon tut“, nämlich Social Scoring. Dabei sind Menschen pausenlos unter Kontrolle und bekommen Punkte und Vergünstigungen für von der Politik erwünschtes Verhalten bzw. Minuspunkte und Sanktionen für unerwünschtes Verhalten. „Wir müssen dafür sorgen, dass so etwas bei uns nicht passieren kann", so Broy.

Text: Hans Winkler

Fotos: Werner Krug

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