Nov 29

DHK Jahresausklang

Gene - Talente - Chancen - unter diesem Motto stand der diesjährige DHK Jahresausklang.

(K)Ein gemütlicher Abend

Der DHK Jahresausklang fand heuer mit Univ.- Prof. Mag. Dr.  Markus Hengstschläger zum Thema: „Talente erkennen-Chancen nutzen. Individualität als Wegbereiter zum Erfolg" statt.

Einen zugleich geistreichen und launigen, interessanten und zum Nachdenken anregenden Abend erlebten die Teilnehmer beim Jahresausklang der DHK für 2016. Die Kammer hatte zum  Motto „Gene-Talente-Chancen“ in den großen Saal der Raiffeisen-Zentralbank am Wiener Stadtpark geladen. Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien, bekannt für pointierte und humorvolle Rede, warb nachdrücklich dafür, dass sich Wirtschaft, Politik und Industrie auf die Suche nach Talenten begeben müssten, um die besten Köpfe für die Zukunft des Landes zu finden.

Der Hausherr, RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner, Erster Vizepräsident der DHK, hatte das erste Wort. Er erinnerte daran, welche Krisen, Herausforderungen und Überraschungen das zu Ende gehende Jahr gebracht hat, von den Flüchtlingen über den Brexit, den faktischen Abbruch der TTIP-Verhandlungen bis zur Wahl Donald Trumps. Auch 2017 werde ereignisreich  werden, keine der Krisen von 2016 sei bewältigt, sagte er und forderte die versammelten Manager auf, beherzt zu handeln, denn „nur wer verändern will, kann gestalten“.

„Das wird kein gemütlicher Abend werden“, versprach  im Anschluss Hengstschläger scherzhaft und stimmte seine Zuhörer damit auf ein Feuerwerk von überraschenden Aussagen, humorvollen Aperçues  und guten Ratschlägen ein,  die aus seinem Sachgebiet, der Genetik weit hinaus ins Gesellschaftspolitische und vor allem in die  Bildungspolitik führten. Da fallen dann Merksätze wie „den Karren der Zukunft aus dem Dreck ziehen“ oder „Die Fragen der Zukunft sind die Fragen der Gegenwart, nur zu einer anderen Zeit gestellt“, ein Satz, den er von Seneca entliehen hatte.

Es gebe zwei „Zukunften“, formulierte Hengstschläger leicht schräg: eine nicht vorhersehbare und eine nicht vorhersehbare. Letztere mache zwar nur 5 Prozent der gesamten Zukunft aus, aber auf sie müsse man sich einstellen. Aber wie? Wenn sich das Informationsangebot nicht in 100 Jahren verdoppelt, wie noch 1916, und nicht in zehn Jahren, wie noch im Jahr 2000, sondern alle 24 Stunden. Das bloße Bauchgefühl könne keine Richtschnur sein.

Welche Ideen haben wir, fragte der Referent, um uns auf 2017 vorzubereiten? Die Lösung des „Scheichs von Kuweit“ komme für Österreich nicht infrage, nämlich andere  Länder Ideen produzieren zu lassen und sie sich dann um das Ölgeld zu kaufen.

Österreich habe zwar das beste Gesundheitssystem, „aber die Ideen  dafür kommen nicht von uns“, merkte Hengstschläger kritisch an. Das Land sei „kein Innovationsleader“. Skifahren und Tourismus reichten nicht aus, um die Zukunft zu sichern. Wenn die Österreicher sagen, „wir haben aber uns“, sei das eine Selbsttäuschung, denn die Chinesen hätten viel mehr „wir“.

Hengstschläger brach eine Lanze für die Grundlagenwissenschaften als Modell für den Umgang mit einer ungewissen Zukunft. Sie geben Antworten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden, aber später sicher kommen werden. Er verglich das mit der Situation in einem Turnsaal: Niemand wisse, woher der Ball kommt, deshalb stellen sich alle in die Mitte, weil sie sich den Durchschnitt ausrechnen. Niemand erwischt dann den Ball, wenn er auf der Seite daherkommt.

„Entscheidend für die Zukunft wird sein, wie wir für Bälle aufgestellt sind, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen“, sagte Hengstschläger und begann hier seinen Ausflug in die Bildungspolitik. Den Österreichern sei es lieber, mit zwanzig anderen zu irren, als allein recht zu haben. Dagegen müsste das Bildungssystem für möglichst hohe Individualität sorgen und diejenigen fördern, von denen man annehmen dürfe, dass sie sich nicht in die Mitte des Turnsaals stellen und daher die größere  Chance haben, einen Ball zu fangen.

Die Kernfrage der Bildung sei es also, sagte der Genetiker, die Talente der jungen Menschen zu finden und diese dann entschlossen dort zu fördern, wo sie stark sind. Derzeit geschehe oft das Gegenteil: Wo Schüler schwach sind, müssten sie besonders  viel tun, um die Schwächen zu kompensieren, dabei kämen dann die Gebiete zu kurz, wo sie Höchstleitungen bringen könnten, weil das ihrem Talent entspricht.

Wie also die Talente finden? Den Eltern dürfe man diese Aufgabe nicht überlassen, denn sie würden dann jene angeblichen Talente finden, die sie selbst gern an ihren Kindern sähen. Hengstschläger plädiert für ein systematisches Talente-Management. Dazu brauche es Talente-Scouts, die aber nicht die Lehrer sein dürften, denn diese seien zu sehr auf ihr eigenes Fach konzentriert. Schließlich gab der Genetiker einen Rat, wie man ein Talent entwickeln könne, der überraschend altmodisch klingt: „Üben, üben, üben.“

Hilfe für Kinder

Zur guten Tradition des vorweihnachtlichen Treffens der DHK gehört die Vorstellung eines Sozialprojekts, das den Mitgliedern zur Unterstützung empfohlen wird. Dr. Susanne Bixner präsentierte die Arbeit  von „Plan International“, einem  Kinderhilfsprogramm, das sich vor allem für gleiche Rechte von Mädchen und Buben einsetzt und für den Schutz von Kindern vor Gewalt, Ausbeutung, Misshandlung und Vernachlässigung. Diese Entwicklungshilfeorganisation informiert über Kinderrechte, engagiert sich gegen Kinderhandel, Kinderarbeit, Gewalt in der Schule sowie für die Eintragung in Geburtenregister, was keineswegs überall auf der Welt so selbstverständlich ist wie bei uns.  Plan International unterstützt Programme  in über 50 Ländern der Welt und hat nationale Organisationen fast überall in Westeuropa, den USA, Kanada und  Australien.

Hans Winkler

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