Nov 22

Berlin-Wien Urban Development Forum

Wien und Berlin: Laboratorien der Zukunft

Der Tag der Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich, der 22. November, war in diesem Jahr gefüllt mit einem dichten Programm von Experten-Begegnungen, bei denen es um die Zukunft der Städte und die digitale Transformation ging. Dabei trafen einander Experten aus Wien und dem diesjährigen Gastland Berlin zu einem lebhaften Austausch von Erfahrungen und Ideen für den dramatischen technologischen Wandel, in dem sich die Welt befindet.

Der Tag startete mit einem „Berlin-Wien Urban Development Forum“ im Studio 44 am Wiener Rennweg unter dem Thema „Smart Urban Development“: Wie können Städte lebenswerter werden? Wie lassen sich Energieversorgung und Mobilität sinnvoll weiterentwickeln? Welche Lösungen gibt es für smarte Infrastruktur, vernetzte Mobilität, digitale Integration? Das waren nur einige der Fragen, die sich das Symposion stellte.

Wien und Berlin müssten „Laboratorien für neue Aufgaben werden“ sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer in Berlin, Beatrice Kramm zur Begrüßung. Zu diesen Aufgaben zählten vor allem die Bewältigung des Verkehrs in den Metropolen („der wird noch schlimmer werden“) und die Digitalisierung, die überhaupt „das zentrale Thema unserer Zeit“ sei. Berlin sehe sich als Vorreiter neuer Entwicklungen, über hundert Unternehmen in der Stadt beschäftigten sich allein mit Elektro-Mobilität.

Städte als Problemlöser

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller nannte die Städte die „Problemverursacher“, die zugleich aber die Lösungen für die Probleme finden müssten. Wien und Berlin, die eine „über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft“ verbinde, hätten die Verantwortung, „den Puls zu setzen für andere Städte“ und sie könnten sich „nicht auf nationale Lösungen verlassen“.

„Die Zukunft ist immer schon da, sie ist nur nicht gleich verteilt“, begann Ilja Radusch, der Leiter des Geschäftsbereichs Automotive Services und Communication Technologies des Fraunhofer- Instituts seine Keynote. Radusch arbeitet im Bereich Fahrzeug zu- X-Kommunikation, Feldtests, Sensor- und Ad hoc-Netzwerken und Mobile Services. Eine smarte City könne es nur geben, wenn es auch eine „smarte Regierung“ gebe, war eine seiner Thesen.

Lebenswerte Räume könnten nur entstehen, sagte Radusch, wenn alle Teilsysteme von Verkehr über Wohnen und Energieversorgung verknüpft werden. Damit erst würden alle Potentiale ausgeschöpft. Es gebe auch so etwas wie „digitale Daseinsvorsorge“. Daten werden der „Treibstoff der neuen Stadt“. Das Internet der Dinge werde das Leben in Zukunft bestimmen und auch erleichtern.

Energiewende im urbanen Raum

Michael Geissler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur sprach von einer „Energiewende im urbanen Raum“ mit dezentralen Netzstrukturen („Microgrids“) unter intelligenter, nutzerbasierter Steuerung. „Wir kommen bei der Smart City nur weiter, wenn wir das übersetzen in Nutzen für die Verbraucher“. Geissler praktiziert ein Public-Private-Partnership-Modell bei der Energie-Einsparung in den mehreren tausend öffentlichen Gebäuden in Berlin. Dieses Modell sei von der BIG übernommen worden und werde nun auch in Wien angewendet.

Privatauto ade

Dagegen stellte Eugen Antalovsky, Geschäftsführer der Urban Innovation Vienna GmbH die Wiener Ideologie und Praxis vor, die an einem Primat der Politik festhält. „Wien legt Wert auf Governance und nicht nur auf bloße Verwaltung“. Das Problem bei der Durchsetzung von Smart Cities sei gerade das „Nachhinken des Politischen“. Die Stadt mit ihren 240.000 Gemeindewohnungen sehe in Investitionen für leistbares Wohnen eine sozialpolitische Aufgabe. Jedenfalls müsse sich die smarte Stadt vom Gedanken des Privatautos verabschieden.

Einen anderen Blick auf Berlin, nämlich als eine Stadt des Tourismus warf Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismus & Kongress GmbH in Berlin. „Berlin ist eine wachsende Stadt im Aufbruch, eine Sehnsuchtsort für viele Menschen“. Seine Organisation habe einen „Pfad der Freiheit“ geschaffen, auf dem Gäste den „unbedingten Freiheitswillen“ der Stadt an Stationen aus der Geschichte nachvollziehen können. Kieker will den Touristen als „Kurzzeitbürger“ sehen. Seine Firma frage sich, „was tut der Tourist eigentlich den ganzen Tag?“ und möchte ihn an Orte bringen, die nicht auf der Liste der großen Sehenswürdigkeiten stehen. Auf ein spezielles Problem, das Wien hat, wies Gerhard Hirczi von der Wirtschaftsagentur Wien hin: „Wir müssen Wien als Wirtschaftsstandort erst erklären.“ Freilich helfe die Marke Kulturstadt dabei.

Hans Winkler

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