Tradition auf dem Oktoberfest

Kein König, kein Minister, nein: ein bürgerlicher Unteroffizier legte mit seiner Idee den Grundstein für das Oktoberfest. Eben dieser, seines Zeichens Mitglied der bayerischen Nationalgarde, schlug vor, die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit einem großen Pferderennen zu feiern.

Tracht auf dem Oktoberfest der Deutschen Handelskammer in Österreich © DHK

Heute ist das Oktoberfest das größte Volksfest der Welt und zieht jährlich rund sechs Millionen Besucher an. Immer zahlreicher werden auch die Gäste aus dem Ausland, wobei nicht nur die Nachbarländer Italien, Österreich und Holland, sondern vor allem auch die USA, Japan und Australien genannt seien.

Am 17. Oktober 1810 war es soweit: Zu Ehren des königlichen Brautpaares, das am 12. Oktober 1810 geheiratet hatte, fand das erste Pferderennen und damit der Vorläufer zum Oktoberfest auf der Theresienwiese, damals noch am Stadtrand, statt. Der Name für diese "Wiese" wurde übrigens damals von der Braut Prinzessin Therese übernommen und heißt seitdem Theresienwiese.

Ein Jahr später waren sich alle einig: Das Fest soll weiterhin stattfinden. Veranstalter war diesmal der „Landwirtschaftliche Verein in Bayern“, der Fest und Pferderennen zur gleichzeitigen Präsentation bäuerlicher Leistungen nutzte. 1813 musste das Oktoberfest das erste Mal ausfallen wegen der napoleonischen Kriege.

Jahr für Jahr fand daraufhin die Wiesn als privat finanzierte Veranstaltung statt, bis dann 1819 die Münchner Stadtväter die Sache in die Hand nahmen. Künftig sollte das Oktoberfest jedes Jahr und ohne Ausnahme gefeiert werden, unter Leitung der Stadt München. Immer mehr Buden und Karussells kamen dazu, was der Wiesn ihren Volksfestcharakter zubrachte.

1850 gab es dann wieder richtig was zu Betrinken: Die Wächterin über das Oktoberfest, die Statue der "Bavaria", wurde enthüllt und ein Teil der Ruhmeshalle eingeweiht. In den Folgejahren musste das Oktoberfest abermals wegen Choleraepidemien und Kriegen ausfallen. 1881 galt es, eine weitere Geburtsstunde zu feiern: Die erste Hendlbraterei wurde eröffnet und das mittlerweile traditionelle Wiesnhendl an die hungrigen Besucher verkauft. Im späten 19. Jahrhundert wurde das Oktoberfest immer mehr zu dem Fest, wie wir es heute kennen. Elektrisches Licht erleuchtete die Buden und Karusselle, immer mehr Schausteller wurden von dem Rummel angezogen, und die Brauereien errichteten aufgrund der großen Nachfrage große Bierzelte mit Musikkapellen anstelle der kleinen Bierbuden.

Zum 100. Jubiläum im Jahre 1910 wurden in der Bräurosl, dem mit 12.000 Plätzen damals größten Wiesn-Zelt, 12.000 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Immer mehr neuere und aufregendere Fahrgeschäfte wurden eröffnet. Während des ersten und zweiten Weltkrieges sowie in der Zeit der großen Inflation in den 20er Jahren und in den Nachkriegsjahren fiel das Oktoberfest aus und wurde bisweilen durch kleinere Herbstfeste ersetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Tradition der Pferderennen mit Ausnahme des 150. Jubiläums 1960 und des 200. Jubiläums 2010 nicht wieder aufgenommen.

1950 zapfte erstmals der Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer das erste Oktoberfestfass im Schottenhamel an. Seitdem ist es Tradition, dass jedes Oktoberfest durch den Anstich des erstes Fasses durch den Oberbürgermeister und mit den Worten "O'zapft is" eröffnet wird.

Immer mehr entwickelte sich das Oktoberfest zum Bierfest: 2010 wurden rund sieben Millionen Maß ausgeschenkt. Popmusik, Schlager und das Tanzen auf Bierbänken bestimmen heute die Festzeltstimmung. Damit das Oktoberfest nicht völlig zum "Ballermann" wird, wurde 2005 die "ruhige Wiesn" eingeführt: Demnach werden Festzeltwirte dazu angehalten, erst ab 18:00 Uhr Partymusik zu spielen und davor bei bayerischer Blasmusik zu bleiben. So wird das Volksfest auch für Familien und ältere Gäste nicht unattraktiv.

Quelle: Datenwerk GmbH (www.oktoberfest.de)

Die Frage der Dirndl-Schleife

Dirndl auf dem Oktoberfest - Deutsche Handelskammer in Österreich © fotolia/malvine_99

Auf welcher Seite trägt man die Dirndl-Schleife? Wo sitzt sie richtig? Wie vermittelt man als Dirndlträgerin, ob man einem Flirt zugeneigt ist oder lieber ungestört eine Maß genießen möchte? Ist die auserwählte Dame überhaupt zu haben? Oder ist sie schon vergeben, verlobt oder gar verheiratet?

Bei Schleifen ist es wie mit der sprichwörtlichen schwarzen Katze: Schleife links, Glück bringt’s! Denn wenn die Dirndlträgerin ihre Schürze auf der linken Seite bindet, ist sie ledig und noch zu haben. Anbandeln ist in diesem Fall also erlaubt oder sogar erwünscht! Dagegen gilt: Schleife rechts ist schlecht. Dann ist die Dame in Tracht nämlich mit einem gestandenen Mannsbild liiert oder gar verheiratet. Flirtversuche also lieber bleiben lassen – oder eine ordentliche Watschn in Kauf nehmen.

Wird die Schürzenschleife vorne mittig gebunden, könnte man darauf schließen, dass das Mädel im Trachtengewand ein wenig verunsichert bezüglich ihres Familienstandes ist. Aber weit gefehlt: Die Tradition besagt, dass sie noch Jungfrau ist. Trägt eine Frau die Schleife ihrer Schürze hinten gebunden, dann kann das zweierlei bedeuten: Entweder sie ist verwitwet oder Kellnerin. Also bitte nicht der Bedienung bei jeder Maß Ihr Beileid aussprechen.

Jetzt zum Oktoberfest anmelden

Wir danken den Partnern auf unserem Oktoberfest