Rückblick Dinner-Night der Innovationen

Von der Industrie 4.0 zu cyber-physical Systems

Das „Deutsch-ÖsterreichischeTechnologieforum 2017“ von Deutscher Handelskammer in Österreich (DHK) und Fraunhofer Österreich führt Theorie und Praxis der Digitalisierung zusammen. Die Schlagworte zur diesjährigen Konferenz: Aus Datengewinnung neue Geschäftsmodelle entwickeln. Zug der Digitalisierung in Österreich noch gar nicht abgefahren. Das Zauberwort „Ambidextrie“.

„Digitalisierung ist das falsche Wort, es geht um digitale Transformation“. Mit dieser etwas provokanten Bemerkung leitete Dieter Spath, Präsident der acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften das „Deutsch-Österreichische Technologie-Forum 2017“ ein und gab damit den Grundgedanken vor, der sich dann wie ein roter Faden durch fast alle Referate der sehr arbeitsintensiven Tagung zog: „Es geht darum, die Wertschöpfungsketten zu verknüpfen, etwa mit Lieferanten und Entwicklungspartnern. Wenn wir auf Kundenwünsche flexibel reagieren wollen, brauchen wir dazu auch digitale Informationen über die ganze Lieferkette“.

Digitalisierung und Industrie 4.0 ermöglichten, ja erzwingen auch zugleich neue Geschäftsmodelle, sagte Spath und illustrierte das an einer einfachen Sache: „Nehmen Sie eine Kaffeemaschine: Sie kann alles selbst machen, liefert aber darüber hinaus noch Informationen über die Kunden und ihre Gewohnheiten, den Verbrauch usw. Damit ändert sie die Unternehmensleistung und schafft technische und soziale Innovationen“.

Echtzeit-Abbilder der eigenen Produktion

Was bedeutet nun der Übergang von „embedded Systems“ zu „cyber-physical Systems“, den wir gerade erleben, für Länder wie Deutschland und Österreich mit ihren wichtigen produzierenden Industrien? „Es ist die Chance, ein Echtzeit-Abbild der eigenen Produktion zu erhalten und die Möglichkeit zu einer superflexiblen Reaktion,“ antwortet Spath. Da die cyber-physical systems interaktiv und kooperativ mit dem Menschen seien, habe sich auch die Debatte über den Job-Killer Digitalisierung erledigt. Im Gegenteil: Sie schaffe Arbeit und mache den Mitarbeiter zum „entscheidenden Akteur“.

Spath sieht zwei große Herausforderungen bei der Verwirklichung von Industrie 4.0: Die Qualifizierung des Personals und die Demographie. „Die demographische Falle wird zuschnappen“. Da die Lücken nicht gänzlich geschlossen werden könnten, bleibe nur der Weg „noch produktiver zu werden“, das heißt mit weniger Menschen mehr Output zu erzeugen. Die qualitative Verbesserung werde aber nicht genügen: „Wir müssen lernen, auch die Services, die wir jetzt oft kostenlos mit den Produkten liefern, zu bepreisen und zu verkaufen“.

Revolution der Arbeitsgestaltung

Für die Zusammenarbeit von alten erfahrenen Mitarbeitern und „jungen Wilden“ empfahl Spath den Gedanken der „Ambidextrie“ der „zwei rechten Hände“. Man solle die Qualitäten beider zusammen spannen und so eine „Revolution der Arbeitsgestaltung“ schaffen.

Hans Winkler